Malda Denana: Ästhetik des Tanzes. Zur Anthropologie des tanzenden Körpers.

Bielefeld: transcript 2014. ISBN 978-3-8376-2719-0. 289 S. Preis: € 34,99.

Rezensiert von Julia Dorninger

Gibt es die vollkommene Körperbewegung? Wenn ja, wer ist ihrer tatsächlich mächtig – Mensch oder Marionette? Ausgehend von Heinrich von Kleists Aufsatz Über das Marionettentheater begibt sich die Philosophin, Tanzwissenschaftlerin, Choreografin und Dramaturgin Malda Denana in der überarbeiteten Fassung ihrer Dissertation auf die Suche nach dem genuin Menschlichen in einer künstlerischen Bewegung. Im Anschluss an die jeweiligen theoretischen Kapitel des Buches um anschauliche Exkurse aus der Tanzpraxis ergänzt, liest sich das Werk der Tanzpädagogin wie ein Manifest einer anthropologischen Ästhetik des Tanzes und birgt durchaus das Potenzial, einen wertvollen Beitrag für die Fundierung des künstlerischen Tanzes im Forschungsfeld der Philosophie zu leisten.


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Kai van Eikels: Die Kunst des Kollektiven. Performance zwischen Theater, Politik und Sozioökonomie.

München: Fink 2013. ISBN 978-3-7705-5140-8. 557 S. Preis: € 59,-.

Rezensiert von Julia Wiegele

In seiner dichten, 535 Seiten langen Abhandlung widmet sich Kai van Eikels der kollektiven und politischen Dimension von zeitgenössischer Performance-Kunst. In Abgrenzung von klassischen Gemeinschaftsbegriffen, die oft von der Idee der Einheit oder der Verschmelzung der Einzelnen zu einem Ganzen ausgehen, macht van Eikels Begriffe wie Trennung und Zerstreuung stark, um die sozialen Relationen in westlichen neoliberalen Gesellschaften zu beschreiben.


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Andreas Kotte: Theatergeschichte. Eine Einführung.

Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2013 (UTB: 3871). ISBN 978-3-8252-3871-1. 434 S. Preis: € 24,99.

Rezensiert von David Krych

"Wo beginnt Theatergeschichte?" (S. 25), eine berechtigte und – im theaterwissenschaftlichen Kontext – auch nach wie vor wichtige Frage, die sich Andreas Kotte, Professor an der Universität Bern, im ersten Kapitel von Theatergeschichte. Eine Einführung stellt; eine Frage, die nicht nur die Gegenstände, Materialien und kulturellen Praktiken betrifft, sondern ebenso eine, die nach Methoden fragt, nach Theaterhistoriographie sowie Theatertheorie. In seinem 400-seitigen Streifzug zeigt der Autor exemplarisch, wie eine Theatergeschichte und -geschichtsschreibung aussehen kann, die ein homogenes, positivistisches Verständnis und Bild von Theater als reine, gesellschaftlich abgekoppelte, künstlerisch-literarische Errungenschaft hinterfragt.


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Rebecca Schneider: Theatre and History.

Basingstoke: Palgrave Macmillan 2014. (Theatre and: 25) ISBN 978-0-230-230-20327-3. 116 S. Preis: € 9,54.

Rezensiert von Eva Waibel

Der Einfluss und die Auswirkungen des um die Jahrtausendwende einsetzenden und ungebrochen anhaltenden Geschichtsbooms haben auch in der Theaterwissenschaft eine verstärkte Auseinandersetzung mit historischen Themenkomplexen nach sich gezogen.


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Hans Veigl/Iris Fink: Galgenhumor. Kleine Kunst im Großen Krieg. Ein Beitrag zur k. k. Unterhaltungskultur 1914 bis 1918.

Graz: Österreichisches Kabarettarchiv 2014. (Veröffentlichungen des ÖKA: 4). ISBN 978-3-9501427-4-7. 271 S. Preis: € 18,60.

Rezensiert von Brigitte Dalinger

Während des Ersten Weltkriegs gab es in Wien eine florierende Unterhaltungsszene, in der Operetten, Singspiele, Revuen und Kabarettrevuen aufgeführt wurden, mit einer "tendenzielle[n] Aufhebung der Genregrenzen" (S. 15). Gespielt wurde in Theatern, Kabaretts und Restaurants, geboten wurden, vor allem zu Beginn des Krieges, hurrapatriotische Possen, in denen der Tod der Feinde in teils bis heute bekannten Versen beschworen wurde.


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Reinhold Görling: Szenen der Gewalt. Folter und Film von Rossellini bis Bigelow.

Bielefeld: transcript 2014. ISBN 978-3-8376-2654-4. 216 S. Preis: € 29,99.

Rezensiert von Lena Stölzl

Mit Szenen der Gewalt legt Reinhold Görling, Professor für Medienwissenschaft mit kulturwissenschaftlicher Orientierung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, nun erstmals eine Monografie zum Verhältnis von Film und Folter vor. Auf gestrafften zweihundert Seiten zieht er Resümee über ein Thema, das er selbst gemeinsam mit anderen jahrelang in sehr umfangreicher Weise befragt hat. Dabei schafft er es, die aus interdisziplinärer Zusammenarbeit gezogenen Erkenntnisse in eine Rekapitulation des modernen Films, der laut Serge Daney mit der Folterszene in Roma, città aperta anfängt, einzubauen.


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Peter Rabenalt: Der Klang des Films. Dramaturgie und Geschichte des Filmtons.

Berlin: Alexander 2014. ISBN 978-3-89581-324-5. 272 S. Preis: € 29,90.

Rezensiert von Magdalena Fürnkranz

Bild und Ton sind bereits in der frühen Filmgeschichte untrennbar miteinander verbunden. Ein Standardwerk, das sich mit der Geschichte und Dramaturgie des Filmtons auseinandersetzt, lag bis dato aber noch nicht vor. Peter Rabenalts Monografie Der Klang des Films hebt sich vom mit Büchern über Sounddesign und den Ton in der Postproduktion gesättigten Markt ab.


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Renée Winter: Geschichtspolitiken und Fernsehen. Repräsentationen des Nationalsozialismus im frühen österreichischen TV (1955-1970).

Bielefeld: transcript 2014. ISBN 978-3-8376-2441-0. 322 S. Preis: € 35,99.

Rezensiert von Florian Wagner

Renée Winter befasst sich in ihrer bei transcript publizierten Dissertation mit der frühen Geschichte des ORF. Sie untersucht, wie der Nationalsozialismus von 1955 bis 1970 in unterschiedlichen Fernsehformaten verhandelt wurde und fördert dabei sowohl Erwartbares als auch Überraschendes zutage. Keineswegs wurde nur geschwiegen – doch die Art des Sprechens ist von Auslassungen, Verschiebungen sowie blinden Flecken geprägt und – wie sooft in Österreich – parteipolitischen Interessen untergeordnet.


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