CHEAP METHOD EDITION. struggling bodies in capitalist societies (democracies).

Genf: Motto Books 2014. ISBN 978-2-940524-13-6. 94 S. Preis: € 9,– (A), CHF 11,– (CH).

Rezensiert von Daniela Pillgrab

'Artistic Research' (oder zu Deutsch: 'Künstlerische Forschung') lautet ein Schlagwort, das sich in den letzten Jahren im zeitgenössischen Kunst- und Wissenschaftsdiskurs etabliert hat. Es zielt darauf ab, Kunst und Forschung zusammenzudenken, also das Forschungspotenzial von Kunst herauszukehren – und umgekehrt. Nun hat sich die in Wien ansässige Regisseurin und Leiterin des theatercombinats, Claudia Bosse, zu einer Publikationsserie über/als künstlerische Forschung entschieden, die sich CHEAP METHOD EDITION nennt. Zwei bis vier Hefte pro Jahr sollen erscheinen, und zwar bei dem noch jungen Schweizer Verlag Motto Books, der sich auf die Herausgabe von Kunstbüchern spezialisiert hat.


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Florian Krautkrämer: Schrift im Film.

Münster/Hamburg/Berlin/London: LIT 2013. (Medien'welten. Braunschweiger Schriften zur Medienkultur: 21). ISBN 978-3-643-12013-7. 384 S. Preis: € 49,90.

Rezensiert von Anke Zechner

Florian Krautkrämer hat mit seiner Monographie Schrift im Film einen vernachlässigten aber elementaren Bereich des Films spannend und vielschichtig beleuchtet. Einerseits umfasst diese Monographie unterschiedliche Formen der Schrift im Film und ermöglicht anhand der Darstellung ihrer historischen Veränderungen sowie der zeitgenössischen Diskussionen einen ungewöhnlichen Blick auf die Filmgeschichte. Andererseits wird mit der genauen Analyse von Schriftfilmen und deren Ausweitung auf den Kunstkontext ein scheinbar randständiger Bestandteil des Films zur Grundlage weitreichender Überlegungen zu dessen Heterogenität.


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Ian W. Macdonald: Screenwriting Poetics and the Screen Idea.

Hampshire: Palgrave Macmillian 2013. ISBN 978-0-230-39228-1. 288 S. Preis: € 63,30.

Rezensiert von Claus Tieber

Drehbuchforschung ist noch immer ein Feld, das in der Film- und Medienwissenschaft wenig Beachtung findet. Das liegt auch daran, dass die Sicht auf das Thema mit einer Unmenge an sogenannter Drehbuchliteratur verstellt ist und dass simple Ratgeber wie man ein Drehbuch zu schreiben habe, den Diskurs allzu lange bestimmt haben. Die wissenschaftliche Forschung zum Thema erreicht hingegen erst in letzter Zeit langsam so etwas wie eine kritische Masse. Der Autor des vorliegenden Bandes, Ian Macdonald von der Universität Leeds, gründete daher 2006 das Screenwriting Research Network (SRN), eine internationale akademische Gesellschaft, die jährliche Konferenzen veranstaltet (die nächste im Oktober 2014 in Potsdam/Berlin) und das Journal of Screenwriting herausgibt.


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John S. Nelson, Popular Cinema as Political Theory. Idealism and Realism in Epics, Noirs, and Satires.

New York: Palgrave Macmillan 2013. ISBN 978-1-137-37470-7. 272 S. Preis: € 75,–.

Rezensiert von Alexander Dibiasi

"The ambition of this book is to show how we can learn from the political theories in these myths" (S. 2). Gemeint sind hier jene, vor allem durch Kino, Literatur und Fernsehen produzierten (politischen) Mythen, die den Alltag ihrer Rezipientinnen und Rezipienten prägen. Entgegen der üblichen Vorgehensweise, eine solche Mythenbildung von film- oder politiktheoretischer Seite zu durchleuchten, möchte Nelson die von ihm analysierten Filme als politische Theorie verstanden wissen – als direkten und für jeden verständlichen Ausdruck von politischem Idealismus und Realismus.


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Thomas Schärer: Zwischen Gotthelf und Godard. Erinnerte Schweizer Filmgeschichte.

Zürich: Limmat 2014. ISBN 978-3-85791-653-3. 701 S. Preis: € 68,–.

Rezensiert von Thomas Ochs

Filmgeschichtsschreibung bedeutet oftmals eine Auseinandersetzung mit bestimmten ästhetischen Strömungen oder Interpretationen der Ästhetik einzelner Filme. Die Komplexität einer Filmproduktion, ihre Voraussetzungen und Bedingungen, also die Produktionsgeschichte, sind zu selten Teil dessen. Der Grund hierfür ist sicher nicht nur im mangelnden Interesse zu suchen; vielmehr resultieren solche Untersuchungen aus Schwierigkeiten, die mit einer Geschichtsschreibung verbunden sind, welche reale Lebens- und Arbeitsumstände einer konkreten Zeit thematisieren will. Als eine erweiterte Schweizer Filmgeschichte, die aus mündlichen Überlieferungen heraus entsteht, will Thomas Schärer seine Monographie Zwischen Gotthelf und Godard verstanden wissen.


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Irmbert Schenk: Film und Kino in Italien. Studien zur italienischen Filmgeschichte.

Marburg: Schüren 2014 (Marburger Schriften zur Medienforschung: 49). ISBN 978-3-89472-883-0. 200 S. Preis: € 19,90.

Rezensiert von Otmar Schöberl

Der Titel von Irmbert Schenks neuester Publikation, Film und Kino in Italien, suggeriert einen historischen Überblick. Erst der Untertitel des Buches, Studien zur italienischen Filmgeschichte, führt näher ans Ziel, denn tatsächlich handelt es sich bei diesem Band um eine Sammlung von Texten, die er zwischen 1991 und 2014 geschrieben hat, zum Teil für Sammelbände, aber auch z. B. für eine Vorlesung. Den Analysen gemein ist, dass sie kluge Schlaglichter auf verschiedene Perioden des italienischen Kinos werfen.


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Oliver Schmidt: Hybride Räume. Filmwelten im Hollywood-Kino der Jahrtausendwende.

Marburg: Schüren 2013. (Textualität des Films: 2). ISBN 978-3-89472-775-8. 344 S. 100 Abb. Preis: € 38,–.

Rezensiert von Franziska Bruckner

Im Blockbuster-Mainstream-Kino sowie im amerikanischen AutorInnenfilm ist seit Beginn der 1990er-Jahre verstärkt eine Tendenz zu komplexen, multiplen und fragmentierten Filmwelten zu bemerken. Diesen hybriden Phänomenen geht Oliver Schmidt in seiner nun als Buch veröffentlichten Dissertation Hybride Räume. Filmwelten im Hollywood-Kino der Jahrtausendwende aus unterschiedlichen kognitiv-phänomenologischen Perspektiven auf den Grund.


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Ulrike Bergermann: Verspannungen. Texte um WissenGendernMedien.

Berlin/Münster/Wien/Zürich/London: LIT 2013. (Medien'welten. Braunschweiger Schriften zur Medienkultur: 17). ISBN 978-3-643-11089-3. 384 S. Preis: € 29,90.

Rezensiert von Gabriele E. Otto

Medien, Gender, Wissen – in ihren je eigenen Konstanten, aber auch Berührungen, ja Verstrickungen und gegenseitigen Bedingtheiten werden wesentliche Termini vertrauter Texte wissenschaftlicher Tradition ausgelotet und in neuen Kontexten auf ihre Tauglichkeit, Tragfähigkeit und Interpretierbarkeit abgeklopft. So möchte man den Haupttitel "Verspannungen" interpretieren, um so das diverse Ladegut zu umspannen, sicher zu vertäuen, und es damit in einer ForschungsGenderMediengegenwart zu verorten. Dieses In-Beziehung-Setzen und Abwägen prägt den größten Teil der 19 versammelten, sechs Subkapiteln zugeordneten und sehr vermischten Texte: Über Planeten und das Digitale sich Science und Geschlechter(-forschung) explizit zuwendend, widmet sich der Band schließlich Pop und Öffentlichem Raum. Hier finden sich Texte, an denen Andrea Seier, Felix Axter sowie Karin Harrasser in Ko-Autorschaft mitwirkten.


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Sarah Binder/Sarah Kanawin/Simon Sailer/Florian Wagner (Hg.): How I Got Lost Six Feet Under Your Mother. Ein Serienbuch.

Wien: Zaglossus 2013. ISBN 978-3-902902-05-4. 208 S. Preis: € 17,95.

Rezensiert von Sara Vorwalder

Ausgehend von der Idee, gemeinsam Serien zu sehen und darüber zu diskutieren, entstand das vorliegende Buch, dem gegenüber der üblichen Verfahrensweise bei der Produktion eines Sammelbandes – Autor_innen produzieren Texte und diese werden mehr oder weniger editiert publiziert – noch einiges an Vorarbeit voran ging. So wurden die Autor_innen zu einem Workshop eingeladen, bei dem intensive Diskussionen rund um das Buchprojekt stattfanden. Außerdem gründeten die Herausgeber_innen kritTFM, einen Verein zur Förderung kritischer Theater-, Film- und Medienwissenschaft. Der kritische Anspruch ist in den Einzelbeiträgen merklich gegeben.


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Lindy Orthia (Hg.): Doctor Who & Race.

Bristol: Intellect 2013. ISBN 978-1-78320-036-8. 302 S. Preis: € 22,95.

Rezensiert von Florian Wagner

Bereits vor Erscheinen des Sammelbandes Doctor Who & Race wurde dem Buchprojekt große Medienaufmerksamkeit zuteil. Ohne den Inhalt der insgesamt 22 Beiträge zu kennen, begannen Boulevard- und Qualitätsmedien darüber zu diskutieren, ob die seit 1963 von der BBC produzierte Science Fiction-Serie Doctor Who rassistisch sei oder nicht.


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Shintaro Miyazaki: Algorhythmisiert. Eine Medienarchäologie digitaler Signale und (un)erhörter Zeiteffekte.

Berlin: Kadmos 2013. ISBN 978-3-86599-187-4. 282 S. Preis: € 14,99.

Rezensiert von Sophie Gnesda

Shintaro Miyazaki präsentiert in seiner veröffentlichten Dissertation in Form der Monografie Algorhythmisiert eine umfassende und neue Perspektive auf die bisher an technische und ästhetische Belange gebundene Medienarchäologie. Gleichsam liefert er damit eine Synthese des in der Mathematik und Informatik verwurzelten Begriffs Algorithmus und des musikalisch-klanglichen Begriffs Rhythmus. Er verbindet dabei gekonnt seine Studien der Medien-, Musikwissenschaft und Philosophie, die er an der Universität Basel abgeschlossen hat.


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Frédéric Döhl/Renate Wöhrer (Hg.): Zitieren, appropriieren, sampeln. Referenzielle Verfahren in den Gegenwartskünsten.

Bielefeld: transcript 2014. ISBN 978-3-8376-2330-7. 288 S. Preis: € 34,99.

Rezensiert von Brigitte Stocker

Was kann die vielbeschworene Interdisziplinarität tatsächlich leisten? Eine Antwort darauf bietet der von Musikwissenschaftler Frédéric Döhl und der Kunsthistorikerin Renate Wöhrer herausgegebene interdisziplinäre Band, der Beiträge von Theater-, Film- und MedienwissenschaftlerInnen versammelt. Die Publikation widmet sich dem Phänomen der Referentialität in den Künsten und beleuchtet Formen und Funktionen der Reproduktion, des Zitats oder der Referenz. Die Beiträge analysieren verschiedene künstlerische Disziplinen wie Film, Musik, Literatur, Tanz und Theater, und behandeln dabei eine erstaunliche Bandbreite an Bezugsphänomenen: "Re-Enactments" von Filmen, Comiczitate, "Wieder-Holungen" in Tanz und Performance, Rekursivität im Videoclip oder interpiktoriale Referenzen in der Dokumentarfotografie. Fest steht: Die Bezugnahme von Kunstwerken aufeinander ist allgegenwärtig. Ob als Zitat, Anspielung, Sampling oder "Re-Enactment" – Referentialität erscheint als Eigenschaft des Ästhetischen schlechthin.


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Jean-Luc Nancy: Vom Schlaf (aus dem Frz. von Esther von der Osten).

Berlin: diaphanes 2013. ISBN 978-3-03734-219-0. 64 S. Preis: € 13,40 (A), € 12,90 (D), CHF 18,50 (CH).

Rezensiert von Aneta Bialecka

Welche Bedeutung wird dem Schlaf in Gesellschaften noch zugemessen, die weder den Tag noch die Nacht für ihre komplexe Arbeitsteilung benötigen? Ist der damit zerstörte Lebens- und Naturrhythmus ein Grund mehr für jegliche Art von Ungleichheit? Wird der Entzug von Tag und Nacht zu einer metaphorischen, existenziellen Folter, bei der Peiniger und Opfer dieselbe Person sind und die somit die einstigen Schlafwandler zu Besiegten macht? Jean-Luc Nancys dichtes und poetisches wie auch düsteres 'Lob' des Schlafes beabsichtigt jedoch keine Gesellschaftskritik, zumindest nicht vordergründig. Der Essay reflektiert vielmehr die Ontologie des Schlafes und verfolgt seine mythischen und philosophischen Spuren.


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