Inhalt der Ausgabe 2011/1

Andrea Amort: Hanna Berger. Spuren einer Tänzerin im Widerstand.

Wien/München: Brandstätter 2010. ISBN 978-3-85033-188-3. 160 S. Preis: € 29,90.

Rezensiert von Genia Enzelberger

Nach jahrelanger gründlicher Recherche ist es der Tanzkritikerin und Tanzhistorikerin Andrea Amort Ende 2010 gelungen, ihr Buch über die Tänzerin, Choreographin, Regisseurin und Pädagogin Hanna Berger fertig zu stellen. Es handelt sich bei dieser Publikation nicht um eine Biographie im klassischen Sinne, sondern vielmehr um ein facettenreiches Portrait dieser außergewöhnlichen Frau und Künstlerin, die mit ihren Ideen und Visionen ihrer Zeit weit voraus war.


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Gerda Baumbach (Hg.): Auf dem Weg nach Pomperlörel – Kritik "des" Theaters. Aufsätze.

Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2010. (Leipziger Beiträge zur Theatergeschichtsforschung: 2) ISBN 978-3-86583-422-5. 359 S. Preis: € 29,–.

Rezensiert von Birgit Peter

Die von Gerda Baumbach 2009 gestartete Reihe 'Leipziger Beiträge zur Theatergeschichtsforschung' ist programmatische Arbeit an theaterwissenschaftlichen Zugängen und Methoden, die konsequent theaterhistoriographische Gegenmodelle entwickelt. Mit der Reihe weist Baumbach dieses Vorhaben als Programmatik eines dem Umbruch 1968 geschuldeten akademischen Wissenserwerbs wie seiner Vermittlung aus. Der 2008 verstorbene Theaterwissenschaftler Rudolf Münz – dem der Band gewidmet ist – formulierte bereits seit den späten 1960er Jahren Kritik 'des' Theaters und vor allem 'der' Theaterwissenschaft. Insbesondere wendete sich diese gegen den seit den NS-Institutsgründungen in Berlin und Wien geführten theaterwissenschaftlichen Diskurs, der sich dieser Vergangenheit bewusst nicht stellte. Mit Münz wird der Blick auf das Gegenläufige und Widersetzliche von wissenschaftlichen Debatten gerichtet, die Fokussierung des Verborgenen im vermeintlich Bekannten vorgenommen, werden Reisen nach Nirgendländer wie Pomperlörel unternommen.


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Ahuva Belkin (Hg.): Jewish Theatre. Tradition in Transition and Intercultural Vistas.

Tel Aviv: Assaph Books. (Studies in the Theatre). ISBN: 978-965-90625-1-5. 248 S.

Rezensiert von Brigitte Dalinger

Der Begriff 'Jewish Theatre' ist, wie Ahuva Belkin in der Einleitung des vorliegenden Bandes darstellt, ein schwieriger, da das jüdische Theater weder eine homogene Narration oder Theaterpraxis vorweist, noch an einer thematischen Achse oder bestimmten methodologischen Perspektive festzumachen ist. Demgemäß umspannen die Beiträge fünf Jahrhunderte und mehrere Kontinente; eingegangen wird auf unterschiedlichste Formen jüdischen Theaters und Dramas, auf seine ästhetische Erscheinung und sozialhistorischen Wurzeln.


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Gabriele Brandstetter/Birgit Wiens (Hg.): Theater ohne Fluchtpunkt. Das Erbe Adolphe Appias: Szenographie und Choreographie im zeitgenössischen Theater.

Berlin: Alexander 2010. ISBN 978-3-89581-227-9. 327 S. Preis: € 29,90.

Rezensiert von Sabine Sörgel

Der zweisprachig auf Deutsch und Englisch veröffentlichte Band versammelt Beiträge der zeitgenössischen Forschung zum Erbe Adolphe Appias im Tanz und Theater der Gegenwart, die zunächst als Vorträge im Rahmen der gleichnamigen Tagung im Festspielhaus Hellerau 2007 gehalten wurden. Mythos und räumliche Architektur fanden so Eingang in das wissenschaftliche Schreiben als performative Recherche vor dem Hintergrund der historischen Kulisse. Indirekt dokumentiert der vorliegende Band diese örtliche Reflexion als Niederschrift bewegter Rede am historischen Ort, was die besondere Qualität der Textzusammenstellung von Gabriele Brandstetter und Birgit Wiens kennzeichnet.


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Konstanze Fliedl/Evelyne Polt-Heinzl/Reinhard Urbach: Schnitzlers Sprachen der Liebe.

Wien: Picus 2010 (Wiener Vorlesungen im Rathaus: 147). ISBN 978-3-85452-547-9. 79 S. Preis: € 8,90.

Rezensiert von Andreas Ehrenreich

Schnitzlers Sprachen der Liebe nennt sich ein schmaler Band des Picus-Verlags, der drei Texte von Konstanze Fliedl, Evelyne Polt-Heinzl und Reinhard Urbach versammelt. Die darin enthaltenen Beiträge wurden als Teil der Reihe 'Wiener Vorlesungen im Rathaus' im Herbst 2006 vorgetragen; gemeinsames Thema der Ausführungen stellen die verschiedenen Facetten des Liebesmotivs im Werk Arthur Schnitzlers dar. Unisono gelangen die Autoren zu dem Befund, dass der titelgebende Ausdruck der Zuneigung nicht ganz so unproblematisch sei, wie man gemeinhin annehmen würde.


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Maria Gerolemou: Bad Women, Mad Women. Gender und Wahnsinn in der griechischen Tragödie.

Tübingen: Gunter Narr 2011. (Classica Monacensia: 40). ISBN 978-3-8233-6580-8. 442 S. Preis: € 98,–.

Rezensiert von Aneta Bialecka

Die Konnotationen der weiblichen 'Mania' in der attischen Tragödie manifestieren sich traditionellerweise in den Formen eines pathologischen Krankheitsbildes oder religiöser Ekstase; sie reichen von körperlicher Agressivität einer Mörderin über exzessive Kultpraktiken bis zum ziellosen Umherschweifen im Exil. Die klassische Philologin Maria Gerolemou etabliert hingegen in ihrer nun publizierten Münchner Dissertationsschrift einen revisionistisch-gesellschaftskritischen Begriff des Wahnsinns, den sie als geschlechtsspezifisches Konstrukt patriarchaler Reglementierung definiert. Methodisch bemerkenswert ist die Differenzierung zwischen der altgriechischen 'Mania' und der modernen 'Madness', die eine theoretisch zwanglose Relektüre ausgewählter Dramen und eine neue heuristische Perspektivierung ermöglicht.


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Hubert Habig: Schauspielen. Gestalten des Selbst zwischen Sollen und Sein.

Heidelberg: Universitätsverlag Winter 2010. ISBN 978-3-8253-5647-7. 422 S. Preis: € 45,–.

Rezensiert von Katharina Dufek

'A spielt B vor C.' Diese als ABC-Formel bekannt gewordene Theaterdefinition von Eric Bentley liegt auch Hubert Habigs Buch zugrunde. Im Gegensatz zu bisherigen theaterwissenschaftlichen Betrachtungen dieses Verhältnisses, die sich vor allem auf die Rolle des Zuschauers im theatralen Prozess konzentrierten, fragt er allerdings nach den Zusammenhängen zwischen Schauspieler (A) und Rolle (B) und damit nach dem "Mikrokosmos des Dramatischen" (u. a. S. 34): Wie wirklich kann eine Theaterfigur sein? Hat sie ein eigenes 'Sein' oder ist sie lediglich vom Schauspieler dargestelltes und vom Zuschauer komplettiertes und gedeutetes Symbol? Was genau tut der Schauspieler eigentlich, wenn er spielt? Was passiert mit seinem Selbst, wenn er versucht, der Bühnenfigur Leben einzuhauchen? Wer von beiden handelt auf der Bühne?


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Kuan-wu Lin: Westlicher Geist im östlichen Körper? "Medea" im interkulturellen Theater Chinas und Taiwans. Zur Universalisierung der griechischen Antike.

Bielefeld: transcript 2010. ISBN 978-3-8376-1350-6. 376 S. Preis: € 34,80.

Rezensiert von Daniela Pillgrab

Westlicher Geist im östlichen Körper? – Das Fragezeichen im Titel verweist bereits auf die wesentlichen Anliegen der Theaterwissenschaftlerin Kuan-wu Lin in ihrer umfassenden Arbeit, die als Dissertation im Rahmen des Internationalen Gaduiertenkollegs Inter Art Studies an der FU Berlin entstanden ist: ein In-Frage-Stellen von Fusionen einander fremder Theater- und Schauspielkonzepte, eine Dekonstruktion des interkulturellen Theaters, das Abwiegen und Bewerten der Gewichtung aufeinander prallender Kulturen in einem nunmehr transkulturellen Feld. Die Überprüfung der zentralen Fragestellungen – nämlich warum in China bzw. in Taiwan Fusionen von griechischen Tragödien und chinesischen Theatertraditionen stattfinden, welches Ziel damit verfolgt wird und inwiefern sie mit Interessen des Westens in Verbindung stehen – erfolgt anhand zweier Medea-Inszenierungen in China bzw. in Taiwan. In drei Teilen und einem Epilog forscht die Autorin nach Gründen für die Kombination von Elementen griechischer Tragödien und traditionellem chinesischen Theater.


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Jacques Rancière: Der emanzipierte Zuschauer.

Wien: Passagen 2009. ISBN 9783851659085. 156 S. Preis: € 19,90.

Rezensiert von Alexander Dibiasi

'Zuschauen ist schlecht!', lautet das Credo der Ankläger. Wer nur zusieht, bleibt passiv und wer nur betrachtet, kann nicht erkennen. So sei es die Pflicht der Künste, die Partizipation des Publikums voranzutreiben. Gerade im Theater müsse die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum aufgehoben werden. Der/die ZuschauerIn als AkteurIn, als aktiver Teil einer jeden Aufführung – so die Utopie. Rancière stellt diesen Forderungen gleich zu Beginn des Buches die interessante Frage gegenüber, "ob nicht gerade der Wille, die Distanz abzuschaffen, erst die Distanz schafft" (S. 22). Innerhalb 'natürlich' bestehender Distanzen, auch jener zwischen Kunst und Leben, sieht er nämlich die Macht zu assoziieren und zu dissoziieren. Eine Macht, die zur "Emanzipation von jedem von uns als Zuschauer" (S. 28) führt. Obwohl Der emanzipierte Zuschauer, wie andere Bücher Rancières, fünf völlig eigenständige Manuskripte beinhaltet, verbinden zwei Quintessenzen diese wie ein unsichtbares Band – 'Partizipation ist nicht gleich Emanzipation' und 'auch Sehen ist eine Handlung'.


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Haitham Saab: Restoration Orientalism. The representation of Turks in Serious Drama 1660–1700.

Saarbrücken: Lambert Academic Publishing 2010. ISBN 978-3-8383-4866-7. 225 S. Preis € 79,–.

Rezensiert von Michael Hüttler

Der saudi-arabische Anglist Haitham Saab hat ein Buch mit dem Titel Restoration Orientalism vorgelegt. Darin beschäftigt er sich mit der Darstellung der Türken im englischen Drama der Restaurationszeit 1660–1700. Es ist zunächst einmal überaus erfreulich, dass sich ein arabischer Akademiker mit Themen auseinandersetzt, die im Allgemeinen von der europäisch-nordamerikanischen (Kultur-)Wissenschaft dominiert werden.


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Christina Schmidt: Tragödie als Bühnenform. Einar Schleefs Chor-Theater.

Bielefeld: transcript 2010. ISBN 978-3-8376-1413-8. 378 S. Preis: € 35,80.

Rezensiert von Monika Meister

In den letzten Jahren hat sich die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einer zeitgemäßen Tragödienrezeption und den damit in Zusammenhang stehenden Transformationen der Tragödie in Theorie und Praxis des Theaters deutlich verstärkt. Wesentlich inspiriert wurde dieser Forschungsdiskurs auch von Einar Schleef, dem bedeutenden, neue bühnenästhetische Maßstäbe setzenden, 2001 verstorbenen Theaterregisseur und Theater-Denker. Eng verbunden mit Begriff und Formation der Tragödie ist seit den Anfängen des antiken griechischen Theaters die Kategorie des Chores. Es ist daher nur konsequent, dass der Chor für Einar Schleefs Theater der Tragödie als strukturbildend zu bezeichnen ist. Der Chor und die Tragödie bilden die Koordinaten seiner Theaterarbeit, an denen die Bruchlinien und zeitgemäßen Aneignungen des traditionellen, am Text orientierten Repräsentations-Theaters in den Blick kommen und das theatrale Material theoretisch scharf gekennzeichnet und zu ästhetischen mitunter provokanten Strategien und Konfigurationen gefügt wird.


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Uwe Schütte: Thomas Bernhard.

Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2010. (UTB 3385; Profile). ISBN 978-3-8252-3385-3. 126 S. Preis: € 10,20.

Bernhard Judex: Thomas Bernhard. Epoche – Werk – Wirkung.

München: C. H. Beck 2010. (Arbeitsbücher zur Literaturgeschichte). ISBN 978-3-406-60684-7. 186 S., broschiert. Preis: € 19,95.

Rezensiert von Andreas Ehrenreich

Am 9. Februar 2011 wäre Thomas Bernhard 80 Jahre alt geworden – ein geeigneter Anlass, um den deutschsprachigen Buchmarkt zum wiederholten Mal mit Büchern von und über Bernhard zuzuschütten. Unter dieser Publikationsflut finden sich zwei neue Monographien zum Werk des Schriftstellers: Uwe Schütte und Bernhard Judex lassen es sich nicht nehmen, an der sekundärliterarischen Geburtstagsfeier teilzuhaben.


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Emilie Bickerton: Eine kurze Geschichte der Cahiers du cinéma.

Übers. v. Markus Rautzenberg. Zürich: diaphanes 2010. ISBN 978-3-03734-126-1. 191 S. Preis: € 19,90.

Bernd Kiefer/Thomas Koebner/Fabienne Liptay (Hg.): Jean-Luc Godard.

München: text+kritik 2010. (Film-Konzepte: 20). ISBN 978-3-86916-071-9. 116 S. Preis: € 22,-.

Rezensiert von Thomas Ochs

Zum französischen Kino und insbesondere zur Nouvelle Vague lässt sich eine Vielzahl an Publikationen finden. Mit der Monographie A Short History of Cahiers du cinéma von Emilie Bickerton und dem 20. Teil der Reihe Film-Konzepte zu Jean-Luc Godard, herausgegeben von Bernd Kiefer, Thomas Koebner und Fabienne Liptay, ordnen sich zwei weitere Publikationen in diesen Kreis ein. Dabei lässt sich für beide Werke konstatieren, dass sie zwar in ihren Betrachtungen weit über die filmhistorische Bewegung der späten 1950er Jahre hinausragen, diese aber stets markanter Bezugspunkt der Betrachtungen bleibt: Die Nouvelle Vague bedeutete auch eine Suche nach anderen Möglichkeiten, filmisch über Film zu sprechen beziehungsweise zu denken. Die Cahiers du cinéma und Jean-Luc Godard waren ein markanter Teil dieser Versuche, Film/Kino aus anderen Perspektiven zu betrachten.


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Anke Henning/Gertrud Koch/Christiane Voss/Georg Witte (Hg.): Jetzt und Dann. Zeiterfahrung in Film, Literatur und Philosophie.

München: Wilhelm Fink 2010. ISBN: 978-3-7705-4986-3. 207 S. Preis: € 26,90.

Rezensiert von Lena Stölzl

Es ist der Bruch zwischen dem 'Jetzt' und dem 'Dann', der die Denkbewegung auf die Frage nach 'der Zeit' lenkt, auf ihre unzähligen Facetten, ihre vielschichtigen Texturen. Eine Erfahrung der Zeit setzt immer auch ein Subjekt voraus, das diesem Erleben unterworfen ist. Der Band Jetzt und Dann. Zeiterfahrung in Film, Literatur und Philosophie, der zu einem Gutteil von TeilnehmerInnen des Sonderforschungsbereichs "Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste" der Freien Universität Berlin gestaltet ist, geht auf verschiedenen Wegen den Versuchen künstlerischen Umgangs mit diesem Erleben auf den Grund.


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Silke Martin: Die Sichtbarkeit des Tons im Film. Akustische Modernisierungen des Films seit den 1920er Jahren.

Marburg: Schüren 2010. ISBN 978-3-89472-696-6. 256 S. Preis: € 29,90.

Rezensiert von Franz Grafl

Anliegen der Autorin in dieser Arbeit ist, das Primat der Tonebene über das Bild als theoretische Ausgangslage anzunehmen. Bewiese sich die Qualität eines Fachbuches darin, wie weit die angebotenen Fallbeispiele die vorangegangenen Hypothesen verifizieren, könnte man dem vorliegenden Buch Die Sichtbarkeit des Tons im Film nur gratulieren. Zudem wird im deutschsprachigen Raum zum ersten Mal in einem detaillierten Überblick auf die ästhetische und technische Geschichte und auf die darauf aufbauende Entwicklung der Theorien zum Ton im Film bzw. zum Verhältnis von Bild und Ton in ihren vielfältigen Ausprägungen eingegangen. Wesentlich dabei ist die Ausarbeitung der Differenz zwischen dem optischen und dem akustischen Raum, der in dieser Unterscheidung zur Voraussetzung für eine klare Theorienbildung im Verlauf des Buches werden wird. Der historische Aufriss verweist bis in die Gegenwart (oftmals in bisherigen Ansätzen nur kurz gestreift), wodurch nicht nur die technischen Ausformungen der Dolby Technik, zwischen Dolby Stereo und Dolby Digital, erfasst werden können. Es wird damit auch auf die neuen Hörmöglichkeiten verwiesen, die die Voraussetzung für eine entwickelte Tondramaturgie bilden können.


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Ute Daniel/Axel Schildt (Hg.): Massenmedien im Europa des 20. Jahrhunderts.

Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2010 (Industrielle Welt 77). ISBN 978-3-412-20443-3. 440 S. Preis: € 46,20.

Rezensiert von Katalin Cseh

Der Sammelband Massenmedien im Europa des 20. Jahrhunderts ergreift die Initiative zur eingehenden Analyse der vielgestaltigen Medienlandschaft im europäischem Raum des genannten Zeitalters. Momentaufnahmen, Konklusionen helfen dabei, die Historiographie der Massenmedien neu zu konturieren, indem Fragen nach Austausch, Wechselwirkungen, Abgrenzungen, Trans- und Internationalität gestellt werden. Im Spannungsverhältnis von Phänomenen der Amerikanisierung/Europäisierung, Politik und Gesellschaft werden Kontexte der massenmedialen Öffentlichkeit vorgestellt und diskutiert.


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Henry Keazor/Thorsten Wübbena (Hg.): Rewind, Play, Fast Forward. The Past, Present and Future of the Music Video.

Bielefeld: transcript 2010. ISBN 978-3-8376-1185-4. 279 S. Preis: € 29,80.

Rezensiert von Gabriele Jutz

Die Kunsthistoriker Henry Keazor und Thorsten Wübbena, die bereits vor einigen Jahren mit einer gemeinsamen Publikation zum Musikvideo in Erscheinung getreten sind[1], versammeln in Rewind, Play, Fast Forward Beiträge einer internationalen Tagung an der Goethe Universität in Frankfurt/Main vom Oktober 2008. Wie aus dem Titel des Sammelbandes hervorgeht, soll dabei in gleicher Weise die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieses Genres beleuchtet werden.


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Noel Daniel (Hg.): Magic 1400s – 1950s.

Köln: Taschen 2009. ISBN 978-3-8365-0977-0. 650 S. Preis: € 154,30.

Rezensiert von Melanie Letschnig

Ein gewaltiges Buch, deswegen zunächst ein paar Worte zum Format: Es ist schwer zu bewältigen. Acht Kilo wiegt es, und obwohl es in einem Kartonkoffer mit Tragegriff geliefert wird, empfiehlt sich ein fixer Ort, an dem dieses Buch gelesen und seine Abbildungen betrachtet werden können. So viel zu den Standards; ein superlatives Buch braucht vorbereitende Maßnahmen. Noel Daniel – die als Herausgeberin schon für das 'Zirkus-Buch' (The Circus. 1870–1950, erschienen 2008 im Taschen Verlag) gleichen Kalibers verantwortlich zeichnet – versammelt auf 650 Seiten im Format 29 x 44 cm Reklameplakate, Flugzettel, Frontispize, Gemälde, Radierungen, Visitenkarten und Photographien zum Thema Zauberkunst aus insgesamt mehr als fünf Jahrhunderten.


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Heidi Eisenhut/Anett Lütteken/Carsten Zelle (Hg.): Heilkunst und schöne Künste. Wechselwirkungen von Medizin, Literatur und bildender Kunst im 18. Jahrhundert.

Göttingen: Wallstein 2011. ISBN: 978-3-8353-0839-8. 320 S. Preis: € 29,90.

Rezensiert von Stefanie Schmitt

Es muss ein einsamer Gott sein, der im 18. Jahrhundert auf die Welt hinunter schaut. Im irdischen Panorama des um Aufklärung ringenden Menschen ist für ihn kaum Platz. An seiner statt kursieren Kausalitätsprinzipien, empirische, durch Experimental-Wissenschaft nunmehr 'beweisbare' Erklärungsmodelle und das Ideal des sapere aude, bestimme dich aus dir selbst. Neue optische Instrumentarien ermöglichen ungeahnte Erkenntnisse auf dem Weg des Sehens; Mikroskop und Fernglas erlauben den Blick auf bislang verborgene Details bei gleichzeitiger Erweiterung des Horizonts. Wachsende Kenntnis von Elektrizität und Magnetismus enttarnt das unerklärliche Wirken der letzten Gespenster und verbannt deren Erscheinungen auf den Jahrmarkt und in das Reich der Phantasie. Nur auf der 'anderen' Seite der Aufklärung blüht der Zweifel. So sucht der tätige Geist des 18. Jahrhunderts auch am dunklen Seelengrund wissenschaftliche Ordnung zu schaffen.


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Joseph Vogl: Das Gespenst des Kapitals.

Zürich: diaphanes 2010. ISBN 978-3-03734-116-2. 223 S. Preis: € 14,90.

Rezensiert von Dominik Maeder

Galt der Finanzmarkt der neoklassischen Theorie immer schon als Paradigma von Marktförmigkeit schlechthin, so stellt der Börsencrash von 2009 eine besondere Herausforderung für die wirtschaftswissenschaftliche Lehre dar. Dass die rezente Krise nicht als bloß akzidentielles Beiwerk unaufhörlich sich verwirklichender Vernunft beschrieben werden kann, argumentiert Joseph Vogl in seinem Essay Das Gespenst des Kapitals. In dieser Wissensgeschichte des Finanzkapitalismus skizziert er, wie die politische Ökonomie von jenen Geistern heimgesucht wird, die sie selbst herbeirief.


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Jeffrey Andrew Weinstock (Hg.): Reading Rocky Horror. The Rocky Horror Picture Show and Popular Culture.

New York: Palgrave Macmillian 2008. ISBN 0-230-61232-6. 248 S. Preis: € 71,99.

Rezensiert von Petra Rathmanner

Gemessen an ihrem Bekanntheitsgrad hat die Rocky Horror Picture Show bislang eine erstaunlich geringe film- und medienwissenschaftliche Beachtung gefunden. In diese Lücke dringt nun der Anglistik-Professor Jeffrey Andrew Weinstock mit dem Band Reading Rocky Horror verdienstvoll vor. In drei Kapiteln untersuchen darin 14 AutorInnen den Kultfilm aus dem Jahr 1975: Im ersten Kapitel geht es um die kontextuelle Verortung innerhalb von Filmgenres und Musiktraditionen; ein weiteres Kapitel widmet sich der Publikumsbindung. Am aufschlussreichsten erweist sich das dritte Kapitel, das die Darstellung der Sexualität in gegenwärtige Queer-Debatten einbindet.


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