Rolf Aurich/Wolfgang Jacobsen (Hg.): Kein letztes Wort. Die Filme von Rainer Erler.

München: edition text + kritik 2013. ISBN 978-3-86916-269-0. 110 S. Preis € 18,–.

Rezensiert von Anna Koblitz

Er machte Filme "so intelligent wie möglich, so trivial wie nötig" (S. 67) und ließ darin rund um den Globus Papier zu Zucker zerfallen, Wissenschaftler den berühmten 'Nürnberger Trichter' erfinden oder einen skeptischen Journalisten Kontakt zu Außerirdischen aufnehmen. Gut endete das nie. Das bewährte Duo Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen lenkt mit seinem neuen Buch endlich wieder einmal die Aufmerksamkeit auf einen heute kaum noch Gekannten und zu Unrecht Vergessenen des deutschen Film- und Fernsehens: den Autorenfilmer Rainer Erler.


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Tino Balio: Hollywood in the New Millenium.

Basingstoke: Palgrave Macmillan 2013. (International Screen Industries). ISBN: 978-1844573806. 178 S. Preis: € 18,80.

Rezensiert von Claus Tieber

Tino Balio ist einer der Väter der modernen amerikanischen Filmgeschichtsschreibung. Er war einer der Ersten, die sich mit Themen wie Produktionsgeschichte und -ästhetik auseinandergesetzt haben. In einer Disziplin, in der die ökonomischen Grundlagen noch immer zugunsten von Interpretationen künstlerischer 'Texte' vernachlässigt werden, ist Balios Pionierarbeit gar nicht hoch genug zu schätzen. In seinen Arbeiten zur Geschichte von United Artists (United Artists. The Company Built By The Stars von 1976) oder seinem Band Grand Design. Hollywood as a Modern Business Enterprise, 1930–1939 von 1993 hat er auch die Grundlagen für die in jüngster Zeit boomenden Production Studies gelegt.


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Dominic Johnson: Glorious catastrophe. Jack Smith, performance and visual culture.

Manchester/New York: Manchester University Press 2012. ISBN 978-0-7190-8299-3. Preis: € 80,–.

Rezensiert von Georg Vogt

Ein Mangel an ästhetischen Praxen, die für sich das Attribut der Widerständigkeit in Anspruch genommen haben oder denen es zumindest retrospektiv zugeschrieben worden ist, scheint den 1960er-Jahren nicht attestiert zu sein. Spannend wirkt die geronnene Vorstellung eines Jahrzehnts der Neuerung und des Aufbruchs heute vor allem durch die Entdeckung zahlreicher blinder Flecken und Auslassungen.


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Gunnar Landsgesell/Michael Pekler/Andreas Ungerböck (Hg.): Real America. Neuer Realismus im US-Kino.

Marburg: Schüren 2012. ISBN 9-783894-412-727789. 208 S. Preis: € 19,90.

Rezensiert von Sebastian Kuhn

Das Buch Real America. Neuer Realismus im US-Kino entwickelte sich aus der gleichnamigen Programmreihe der Viennale 2012, die Filme wie Man Push Cart, Wendy and Lucy und Putty Hill zeigte. Laut den Autoren Gunnar Landsgesell, Michael Pekler und Andreas Ungerböck gehören diese Filme zu einer sich seit Anfang des 21. Jahrhunderts formierenden Strömung im US-amerikanischen Independent-Kino und lassen sich in erster Linie über eine bestimmte sozialpolitische Gesinnung gegenüber der (Alltags-)Wirklichkeit verbinden: "eine Haltung zu ihren Geschichten, zu ihren Figuren, zu ihrem Land und dem, was darin vorgeht, zu dessen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Fragen, eine Haltung, die aus den Filmen klar und deutlich abzulesen ist, ohne dass sie einem vorgefertigt und unhinterfragbar ins Zuschauerhirn eingepflanzt würde" (S. 9).


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Hannah Pilarczyk (Hg.): Ich hatte die Zeit meines Lebens. Über den Film "Dirty Dancing" und seine Bedeutung.

Berlin: Verbrecher 2012. ISBN 978-3-943167-13-9. 192 S. Preis: € 15,–.

Rezensiert von Florian Wagner

25 Jahre hat es gedauert, bis der Film Dirty Dancing (Regie: Emile Ardolino / Drehbuch: Eleanor Bergstein) mit einem wissenschaftlichen Sammelband kritisch gewürdigt wurde. Von der Filmkritik als 'Frauenfilm' leichtfertig abgetan und von vielen – nicht zuletzt den mit Bildungsprivilegien ausgestatteten – Fans als 'guilty pleasure' empfunden, schien der Weg für eine derartige Würdigung lange verstellt.


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Martin Seel: Die Künste des Kinos.

Frankfurt a. M.: Fischer 2013. ISBN 978-3-1007-1012-3. 255 S. Preis: € 22,99.

Rezensiert von Thomas Ochs

Kinematographische Produkte sind im Alltag vielerorts zu finden. Mobilität und Vernetzung machen das bewegte Bild überall verfüg- und benutzbar. Kino jedoch als Original-Schauplatz des Films ist in seinem Setting exklusiv. Das Erscheinen des Films im Kino, im Sinne einer Urszene gedacht, ist das Thema von Martin Seels philosophischer Auseinandersetzung Die Künste des Kinos. Film kann kaum ohne Kino theoretisch reflektiert, die 'Künste des Kinos' (dem Erscheinen des Films im Kino) können allerdings unabhängig von disparaten Formen von Filmbildern betrachtet werden. In neun Kapiteln, einem Vor- und Nachspann beschreibt Seel ein Bild des Kinos, das von der Interaktion mit anderen Künsten sowie dem Fühlen, Denken und Handeln des Menschen geprägt ist. Dabei diskutiert der Autor den Film als Architektur, als Musik, als Bild, als Schauspiel, als Erzählung, als Exploration, als Imagination, als Emotion und als Philosophie.


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