Inhalt der Ausgabe 2012/1

Ingrid Hentschel/Una H. Moehrke/Klaus Hoffmann (Hg.): Im Modus der Gabe / In the Mode of Giving. Theater, Kunst, Performance in der Gegenwart / Theater, Art, Performance in the Present.

Bielefeld/Leipzig/Berlin: Kerber 2011. ISBN 978-3-86678-494-9. 207 S. Preis: € 25,90.

Rezensiert von Melanie Letschnig

1924 erscheint erstmals Marcel Mauss' einflussreicher Essai sur le Don (Die Gabe), in dem sich der Autor mit der religiösen, rechtlichen, moralischen und ästhetischen Dimension der Gabe als 'System der totalen Leistungen' in sogenannten primitiven Gesellschaften auseinandersetzt. 2010 findet am Zentrum für Interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld ein Symposium statt, das sich mit Konzepten der Gabe in der Kunst beschäftigt. Den Beiträgen des dazugehörigen Tagungsbandes ist zu entnehmen, dass Mauss' Auseinandersetzung mit dem System der Gabe immer noch den Ausgangspunkt zahlreicher Überlegungen zu Fragen der Reziprozität, des (Aus-)Tausches, der Umwegrentabilität und des Schenkens auch in sogenannten westlichen Gesellschaften bildet.


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Ödön von Horváth: Don Juan kommt aus dem Krieg. Hrsg. v. Nicole Streitler unter Mitarbeit von Julia Hamminger und Martin Vejvar.

Bd. 9 der Wiener Ausgabe sämtlicher Werke. Historisch-kritische Edition, am Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek herausgegeben von Klaus Kastberger. Berlin/New York: Walter de Gruyter 2010. ISBN 978-3-11-022627-0. 516 S. Preis: € 286,90.

Rezensiert von Genia Enzelberger

Mit Don Juan kommt aus dem Krieg, herausgegeben von Nicole Streitler, erscheint ein weiterer Band der von Klaus Kastberger initiierten historisch-kritischen Edition sämtlicher Werke von Ödön von Horváth, der sogenannten Wiener Ausgabe (WA). Diese enthält neben abgeschlossenen und fragmentarischen Werken des Autors auch Lebensdokumente und Briefe. Der Horváth-Nachlass befindet sich seit 1990 zu einem Teil in der Handschriftensammlung der Wienbibliothek; der andere Teil wurde von der Österreichischen Nationalbibliothek erworben und an das Österreichische Literaturarchiv weitergegeben. Die Gliederung des Bandes ist in drei Abschnitte geteilt: in Vorwort, Lesetext, in dem alle vorhandenen Konzeptionen zum Stück in voller Länge abgedruckt sind, und den Kommentarteil.


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Klein, Gabriele/Noeth, Sandra (Hg.): Emerging Bodies. The Performance of Worldmaking in Dance and Choreography.

Bielefeld: transcript 2011. (Critical Dance Studies: 21). ISBN 978-3-8376-1596-8. 264 S. Preis: € 31,80.

Rezensiert von Daniela Pillgrab

Im Jahr 2001 öffnete mit dem Tanzquartier Wien eines der heute wichtigsten Häuser in Europa, die sich auf praktischer wie theoretischer Ebene zeitgenössischer Tanz- und Performancekunst verschrieben haben, seine Pforten. Die Auseinandersetzung mit tanz- und performancetheoretischem Wissen ist integrativer Bestandteil der Programmgestaltung – Ausdruck dafür ist etwa ein eigenes Theorie- und Medienzentrum, das von Krassimira Kruschkova geleitet wird, die Leitung der Dramaturgie obliegt Sandra Noeth. Der Anspruch einer Verflechtung von künstlerischer Praxis und theoretischen Positionen liegt auch in dem von Sandra Noeth gemeinsam mit Gabriele Klein herausgegebenen 21. Band der Reihe Critical Dance Studies zugrunde: Basierend auf der internationalen Konferenz "Performing Reality. 'Making Worlds' in Dance and Choreography", die im November 2009 in der Kulturfabrik Kampnagel in Hamburg stattgefunden hat, versammelt Emerging Bodies. The Performance of Worldmaking in Dance and Choreography insgesamt 18 Beiträge in fünf Kapiteln, die zum Teil die im Rahmen der Konferenz erprobten, unkonventionellen Formate auch in der verschriftlichten Form aufgreifen. Die Lektüre gestaltet sich gleichsam als abwechslungsreiche Fahrt durch theoretische und praktische Gefilde einer lebendigen Landschaft vorwiegend zeitgenössischer Tanz- und Performancekunst.


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Friedemann Kreuder: Spielräume der Identität in Theaterformen des 18. Jahrhunderts.

Tübingen: Francke 2010. ISBN 978-3-7720-8354-9. 175 S. Preis: € 40,–.

Rezensiert von Laurette Burgholzer

Auf der Umschlagabbildung, entstanden um 1700, begegnen wir dem 'ewigen Karneval' und der "mascarade universelle": Eine männliche und eine weibliche Figur tragen eine regelrechte Maskensammlung rund um ihre Köpfe, darunter die 'Maske der Treue', die 'Maske der Religion' und die 'Maske der Mäßigung'. Zwischen den beiden Mannequins lauert die Personifikation der Zeit, um lachend nach den Masken zu greifen und die 'wahren' Gesichter zu entblößen, denn: "le temps découvre tout"! Hier zeigt sich die ganze Ambivalenz von Maske/Persona, von Theaterfeindlichkeit, opportunistischem Wechsel der Identitätsbehauptungen und wiederum dessen Verschleierung als 'Natur', und eröffnet assoziativ die Frage des Autors Friedemann Kreuder nach den 'Spielräumen von Identität' in Diskursen und theatralen Praktiken des 18. Jahrhunderts.


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Johann Joseph Felix von Kurz: Eine ganz andere Komödie … Ausgewählte Bernardoniaden und Lustspiele.

Hrsg. v. Andrea Brandner Kapfer. Wien: Lehner 2010. (Texte und Schriften zur österreichischen Literatur- und Theatergeschichte: 3). ISBN 978-3-901749-79-7. 568 S. Preis: € 25,30.

Rezensiert von Matthias Mansky

Am Grazer Institut für Germanistik ist in den letzten Jahren unter dem Forschungsschwerpunkt 'Literatur- und Theatersoziologie' eine Reihe von Projekten ins Leben gerufen worden, die sich mit dem Wiener Theater um 1800 und seinem komischen Figurenrepertoire auseinandersetzen. Unter der Leitung von Beatrix Müller-Kampel hatten die beiden Forschungsprojekte "Mäzene des Kasperls Johann Josef La Roche" und "Kasperls komische Erben" vor allem auch einen editorischen Schwerpunkt mit dem Ziel, heute von der Fachöffentlichkeit vergessene und vernachlässigte Theatertexte erneut einer Leserschaft von Interessierten, Studierenden und Forschern zugänglich zu machen. In diesem Kontext hat Andrea Brandner-Kapfer 2007 eine rund 800 Seiten schwere historisch-kritische Ausgabe der Werke des Bernardon-Darstellers Johann Joseph Felix von Kurz als Dissertation vorgelegt. Dieses ambitionierte Projekt ist 2010 in gekürzter Form als dritter Band der Reihe 'Texte zur österreichischen Literatur- und Theatergeschichte' im Wiener Lehner-Verlag publiziert worden.


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Barbara Riesche: Schöne Mohrinnen, edle Sklaven, schwarze Rächer. Schwarzendarstellung und Sklavereithematik im deutschen Unterhaltungstheater (1770–1814).

Hannover: Wehrhahn 2010. (Forum für deutschsprachiges Drama und Theater in Geschichte und Gegenwart: 2). ISBN 978-3-86525-077-3. 336 S. Preis: € 28,–.

Rezensiert von Ana Mitić

Die Gebrauchsdramatik um 1800 stellt in der Theatergeschichtsschreibung immer noch einen relativ marginalen Forschungsbereich dar, auch wenn das Interesse stetig wächst. Gründe für die Vernachlässigung liegen nicht zuletzt in der ästhetischen Anspruchslosigkeit dieser Texte. Die sogenannten 'Sklavenstücke' sind dieser Kategorie zuzuordnen. Die meisten Autoren dieser, zur Zeit ihrer Entstehung höchst erfolgreichen Stücke – August von Kotzebue, Franz Kratter, Friedrich Wilhelm Ziegler u. a. – gelten heute als Vertreter der Trivialdramatik mit geringem literarischen Wert. Barbara Riesche liefert mit ihrer faktenreichen Dissertation einen Beweis für die Relevanz wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit diesem Forschungsgebiet. Indem sie zunächst Positionen der Unterhaltungsdramatik des späten 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts und ihre Einbettung in den zeitgenössischen, gesellschaftlich-politischen und ästhetisch-theoretischen Zusammenhang darstellt, nähert sie sich ihrem spezifischen Forschungsgegenstand: den Sklavenstücken im populären Theater.


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Anke Roeder/Klaus Zehelein (Hg.): Die Kunst der Dramaturgie – Theorie, Praxis, Ausbildung.

Leipzig: Henschel 2011. ISBN 978-3-89487-655-5. 288 S. Preis: € 25,60.

Rezensiert von Genia Enzelberger

Der von Anke Roeder und Klaus Zehelein veröffentlichte Sammelband Die Kunst der Dramaturgie umfasst rund 27 Beiträge von Dramaturgen, Dramatikern, Theater- und Musikwissenschaftlern, Regisseuren, Kulturredakteuren – vereinfacht gesagt: Theaterschaffenden. Auch die beiden Herausgeber blicken auf eine langjährige bzw. jahrzehntelange Theatererfahrung zurück. Anke Roeder ist Dramaturgin und Theaterwissenschaftlerin und unterrichtet als Professorin für Dramaturgie an der LMU München und der Bayerischen Theaterakademie. Klaus Zehelein war u. a. Künstlerischer Direktor des Thalia Theaters Hamburg und Intendant der Staatsoper Stuttgart. Er ist Präsident der Bayerischen Theaterakademie August Everding und leitet dort den Studiengang Dramaturgie; weiters ist er Präsident des Deutschen Bühnenvereins.


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Matthias Warstat: Krise und Heilung. Wirkungsästhetiken des Theaters.

München: Fink 2011. ISBN 978-3-7705-5022-7. 247 S. Preis: € 29,90.

Rezensiert von Aneta Bialecka

Die 2007 von der Freien Universität Berlin angenommene Habilitationsschrift von Matthias Warstat ist ein Dialogversuch, der die wirkungsästhetischen Ansätze der historischen Theateravantgarde in einem revisionistischen Rückblick betrachtet und die aktuellen diskursiven Entwicklungen wie auch die Theaterpraxis aus diesem historischen Kontext heraus verortet. Die These der Studie, die Heilung als Krise auffasst, wird damit auf der Basis eines komplexen methodischen und thematischen Spektrums untersucht.


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Jean-Luc Godard: Film Socialisme. Dialoge mit Autorengesichtern.

Übers. a. d. Französischen v. Ellen Antheil/Samuel Widerspahn. Zürich: diaphanes 2011. ISBN 978-3-03734-159-9. 122 S. Preis: € 10,–.

Rezensiert von Magdalena Fürnkranz

War es nicht Jean-Luc Godard, der bereits in seinem 1967 erschienenen Film Week-End auf einer Texttafel am Ende des Films nicht nur dessen, sondern gleich auch das 'Ende des Kinos' ankündigte? Ein halbes Jahrhundert später beginnt sich das breitgefächerte Œuvre Godards zu schließen. Gilt Histoire(s) du cinéma (1998) wahrscheinlich als Hauptwerk seiner Spätphase, stößt Film Socialisme (2010) an die experimentellen Grenzen der Kommunikation. Das Buch Film Socialisme. Dialog mit Autorengesichtern ist nicht nur der Versuch einer Reflexion des gleichnamigen Films Godards, sondern gleichzeitig die mögliche Montage einer europäischen Identität.


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Michael Haneke/Thomas Assheuer: Nahaufnahme Michael Haneke. Gespräche mit Thomas Assheuer.

Berlin: Alexander 2010. ISBN 978-3-89581-223-1. 224 S. Preis: € 14,90.

Rezensiert von Katharina Müller

"Eigentlich dürfte man sich als Autor gar nicht auf Interviews einlassen. Andererseits räume ich gern ein: Alles, was mit Sprache zu tun hat, drängt auf Deutung. Der Leser oder Zuschauer will 'Haltegriffe'. Ich finde jedoch, daß man ihm die grundsätzlich nicht geben sollte. Gibt man ihm diese Haltegriffe, ist das kontraproduktiv für die Rezeption" (S. 160f.). Dass sich Michael Haneke als dezidierter Gegner der Interpretation seiner selbst und seiner Werke auf ein relativ umfangreiches Gespräch mit dem Zeit-Redakteur Thomas Assheuer einlässt, ist angesichts der Risiken des 'Kontraproduktiven' freilich ein ambivalentes Unterfangen. Diese dem Regisseur so eigentümliche, vielkritisierte Ambivalenz zeugt einmal mehr vom radikalen Angriff auf das, wogegen Haneke – der unlängst seinen siebzigsten Geburtstag feierte – seit jeher und bekanntlich mit einem Höchstmaß an handwerklicher Präzision arbeitet: die Gleichgültigkeit seiner potentiellen Zuseher- bzw. in diesem Fall Leserschaft.


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Manfred Rasch/Astrid Dörnemann (Hg.): Filmarchivierung. Sammeln – Sichern – Sichten – Sehen.

Essen: Klartext 2011. ISBN 978-3-8375-0096-7. 332 S. Preis: € 29,95.

Rezensiert von Thomas Ochs

In Zeiten der digitalen Umwälzung unserer Gesellschaft sind Archive mit zwei elementaren Problematiken konfrontiert: Langzeitarchivierung und Transparenz. Basierend auf mehreren Tagungen des Arbeitskreises Filmarchivierung Nordrhein Westfalen sind in dem Sammelband Filmarchivierung. Sammeln – Sichern – Sichten – Sehen zahlreiche Beiträge vereint, die sich dezidiert mit der Praxis von Filmarchiven befassen.


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A. L. Rees/Duncan White/Steven Ball/David Curtis (Hg.): Expanded Cinema. Art, Performance, Film.

London: Tate 2011. ISBN 978-1-85437-974-0. 312 S. Preis: € 25,99.

Rezensiert von Katalin Cseh

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit bietet Expanded Cinema. Art, Performance, Film einen Leitfaden durch die Geschichte und Epistemologie des 'erweiterten Kinos' in Form einer Rekonstruktion seiner Bedeutungsfragmente. Als Ergebnis eines umfangreichen Forschungsprojekts widmet sich der Sammelband der Geschichte und Form, dem Narrativitätsverständnis und der diskursiven Einbettung des Genres. Alles kreist um die Frage: Was ist Expanded Cinema? Eine Frage, auf die es viele mögliche Antworten gibt, wobei die treffenste im Titel selbst versteckt ist: Art, Performance, Film.


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Herbert Schwaab: Erfahrung des Gewöhnlichen. Stanley Cavells Filmphilosophie als Theorie der Populärkultur.

Münster/Hamburg/Berlin/London: Lit 2010. ISBN 978-3-643-10985-9. 464 S. Preis: € 39,90.

Rezensiert von Joachim Schätz

Als der US-amerikanische Philosoph Stanley Cavell 1972 sein erstes Filmbuch veröffentlicht, gibt er als Beweggrund ein Erlebnis der Frustration an. Im Vorwort der ersten Auflage von The World Viewed berichtet er von einem Ästhetikkurs anno 1963, in dem er und seine Studierenden daran gescheitert seien, ihre scheinbar so vertrauten Filmerfahrungen in adäquate Worte zu kleiden. Das neun Jahre später Publizierte versteht sich als angestoßen von diesem ursprünglichen Scheitern.


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Butis Butis (Hg.): Goofy History. Fehler machen Geschichte.

Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2009. ISBN 978-3-412-20426-6. 336 S. Preis: € 39,90.

Rezensiert von Sebastian Kuhn

"Aus Fehlern lernen" lautet das Motto des von Marion Herz, Alexander Klose, Isabel Kranz und Jan Philip Müller herausgegebenen Sammelbandes Goofy History. Fehler machen Geschichte, der Störmomente innerhalb medialer Historiographien erforscht. Anstatt "einem fruchtlosen Konstruktivismus das Wort zu reden" (S. 13), wird in insgesamt 25 Beiträgen die produktive Kraft aufgezeigt, die sich beim Aufspüren sogenannter 'goofs' innerhalb unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen entfalten kann.


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Arno Meteling/Gabriele Schabacher/Isabell Otto (Hg.): "Previously on …" Zur Ästhetik der Zeitlichkeit neuerer TV-Serien.

München: Fink 2010. ISBN 978-3-7705-4835-4. 285 S. Preis: € 37,90.

Rezensiert von Dominik Maeder

"Kinder, wie ihr vielleicht wisst …": Mit diesem Voice-Over hebt die populäre Sitcom How I met your mother (CBS, 2005–) in der Regel Woche für Woche an und führt oftmals auch die Adressaten dieser Worte dem Zuschauer vor Augen – zwei gelangweilte Teenager, die im Jahr 2030 auf einem Sofa hocken und den titelgebenden amourösen Irrwegen des väterlichen und notorisch unzuverlässigen Ich-Erzählers zu lauschen genötigt werden. Damit ist jede einzelne der im – für uns – zeitgenössischen Manhattan angesiedelten Episoden als Vorgeschichte einer romantischen Begegnung markiert, die auch sieben Ausstrahlungsjahre sowie zahllose 'love interests' später selbstverständlich noch nicht stattgefunden hat: Die Vor- ist die eigentliche Geschichte geworden.


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Ludger Schwarte (Hg.): Bild-Performanz. Die Kraft des Visuellen.

München: Fink 2011. ISBN 978-3-7705-5079-1. 392 S. Preis: € 49,90.

Rezensiert von Lena Stölzl

Vielversprechend klingt der Titel der neuen Publikation der Bildtheorie-Schmiede eikones. Auch die optische Hülle des von Ludger Schwarte herausgegebenen Bandes Bild-Performanz besticht im für die NFS-Bildkritik mittlerweile etablierten Design des Fink-Verlags: Vom Cover fixiert uns der kühle Blick des Verschwörers Lewis Payne, der einst Roland Barthes dazu veranlasste, seine Studien zum 'punctum' auszuführen. So markiert allein schon die Außenansicht des Buchs den Eingang zum Kaninchenbau einer Bildtheorie, die – wie man es aus Basel erwartet – historischen Bezug mit Aktualität vereint. Die Inhaltsangaben verraten eine nach logischen Parametern geordnete Zusammenstellung der einzelnen Beiträge, die mit grundlegenden Definitionsfragen zu Bild und Performanz beginnen und sich über philosophische Problematiken hin zu angewandten Analysen verschiedener medialer Zusammenhänge (Film, Fotografie, bildende Kunst bis hin zu Literatur) entwickeln.


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Tobias Conradi/Heike Derwanz/Florian Muhle (Hg.): Strukturentstehung durch Verflechtung. Akteur-Netzwerk-Theorie(n) und Automatismen.

München: Fink 2011. (Schriftreihe Automatismen, Universität Paderborn). ISBN 978-3-7705-5220-7. 341 S. 31 Abb. Preis: € 29,90.

Rezensiert von Matthias Fritz

Die Verflechtung einer Vielzahl von AkteurInnen abseits von geplanten Prozessen bringt mitunter neuartige überraschende Strukturen hevor. Dadurch bilden sich ''wirkmächtige Arrangements von Dingen, Zeichen und Subjekten'' (S. 10), die durch Wiederholungen automatisiert werden und sich teilweise der Wahrnehmung entziehen. Diese Annahmen über Automatismen legen eine Auseinandersetzung mit der Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) nahe, die im Mai 2010 in dem Workshop 'Strukturentstehung durch Verflechtung' des Paderborner Graduiertenkollegs 'Automatismen' unternommen wurde. Der daraus entstandene gleichnamige Sammelband setzt einen größeren Rahmen. In ihm werden Kompatibilitäten und gemeinsame Traditionslinien sozial- und kulturwissenschaftlicher Fragestellungen und der Akteur-Netzwerk-Theorie untersucht.


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Christoph Kleinschmidt/Christine Hewel (Hg.): Topographien der Grenze. Verortungen einer kulturellen, politischen und ästhetischen Kategorie.

Würzburg: Königshausen & Neumann 2011. ISBN 978-3-8260-4354-3. 230 S. Preis: € 36,–.

Rezensiert von Michael Andreas

Grenze und Raum – das sind im Zeitalter der allgegenwärtig vermuteten 'Globalisierungsprozesse' prekäre und zugleich hochaktuelle Begrifflichkeiten. Die Geisteswissenschaften haben die Konjunktur des Räumlichen seit dem Ende der 1980er-Jahre als 'spatial turn' bzw. später als 'topographical turn' deklariert. Trotz aller durch politische und ökonomische Bestrebungen – und nicht zuletzt durch Medientechnologien – hervorgerufenen Auflösungserscheinungen des Lokalen und Liminalen rückt die Grenze vermehrt in den Blickpunkt der deutschsprachigen Geistes- und Kulturwissenschaften. Aus dieser anhaltenden Konjunktur speist sich auch der Sammelband Topographien der Grenze. Verortungen einer kulturellen, politischen und ästhetischen Kategorie.


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