Nikolaus Müller-Schöll/André Schallenberg/Mayte Zimmermann (Hg.): Performing Politics. Politisch Kunst machen nach dem 20. Jahrhundert.

Berlin: Theater der Zeit 2012. ISBN 978-3-942449-36-6. 208 S. Preis: € 18,–.

Rezensiert von Julia Wiegele

Im Folgenden stelle ich den Sammelband Performing Politics vor, der anlässlich der ersten Internationalen Sommerakademie 2010 in Hamburg entstanden ist. Die zentrale Fragestellung der Akademie lautete: "wie man heute im Sinne der von Jean-Luc Godard vorgeschlagenen Unterscheidung statt politischer Kunst politisch Kunst machen kann" (S. 7). Außerdem sollte der Austausch zwischen Theorie und Praxis gepflegt und die Veranstaltung für eine größere Öffentlichkeit geöffnet werden. Trotz der Heterogenität ergänzen sich einige Beiträge und vermitteln einen Eindruck des vielfältigen und weiten Feldes.


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Bettina Dennerlein/Elke Frietsch (Hg.): Identitäten in Bewegung. Migration im Film.

Bielefeld: transcript 2011. ISBN 978-3-8376-1472-5. 324 S. Preis: € 32,80.

Rezensiert von Julia Binter

'Migration' ist gesellschaftspolitisch ein ebenso brisantes wie vielschichtiges Thema, dessen Debatten medial vor allem im Kontext von Grenzziehungen und individuellen sowie kollektiven Identitäts(de)konstruktionen ausgetragen werden. Der aus dem interdisziplinären Workshop Identitäten in Bewegung. Migration im Film am Lehrstuhl Gender Studies und Islamwissenschaft der Universität Zürich entstandene gleichnamige Sammelband widmet sich der Bedeutung des Mediums Film für die Verhandlung "grenzüberschreitender Bewegungen" (S. 12) und diskutiert damit verbundene raum- und identitätsstiftende Inszenierungsstrategien unter dem Primat der Intersektionalität.


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Jörn Glasenapp (Hg., in Zusammenarbeit mit Judith Wimmer): Michelangelo Antonioni. Wege in die filmische Moderne.

München: Fink 2012. ISBN 978-3-7705-5429-4. 303 S. 116 Abb. Preis: € 37,90 (D), € 39,– (A).

Rezensiert von Ulrich Meurer

Einmal bemerkte Antonioni, er wolle das 'Fahrrad' (aus De Sicas Meisterstück Ladri di Biciclette) loswerden, und zielte damit auf all die sozialen, psychischen und ästhetischen Dringlichkeiten des italienischen Neorealismus. Weil sich sein Diktum einer so griffigen Synekdoche bedient, gehört es zu den meistzitierten der Antonioni-Forschung (im hier besprochenen Band etwa auf S. 42, 69 und 116), zumal in ihm der sehr moderne Anspruch laut wird, mit dem Überkommenen Schluss zu machen und etwas radikal Neues zu versuchen. Das wiederum wirft die Frage auf, ob hundert Jahre nach der Geburt des inzwischen unangreifbar kanonisierten Regisseurs ein Buch über sein Œuvre dessen Modernität und Erneuerungsanspruch vermitteln oder gar aufgreifen, ob es vielleicht die etablierten Topoi filmwissenschaftlicher Untersuchungen hinter sich lassen, ob es den 'Tennisball' (aus Antonionis Meisterstück Blow-up) loswerden kann.


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Julian Hanich/Hans Jürgen Wulff (Hg.): Auslassen, Andeuten, Auffüllen. Der Film und die Imagination des Zuschauers.

München: Fink 2012. ISBN 978-3-7705-5398-3. 283 S. Preis: € 39,90.

Rezensiert von Thomas Ochs

Im Sinne Husserls meint der Begriff Abschattung, "dass uns Dinge in Raum und Zeit immer einseitig, perspektivisch verzerrt, unter bloß einem Aspekt gegeben sein können, während alle anderen Seiten, Attribute, Merkmale nur indirekt mit angezeigt sind" (S. 40). Die Anwesenheit der abgeschatteten Elemente kann man mit dem Begriff der Appräsentation fassen, so Eckhard Lobsien in seinem Aufsatz "Leerstellen, Unbestimmtheiten, schematisierte Ansichten. Zur Phänomenologie des Auslassens und Andeutens". Lobsiens Essay leitet das erste Kapitel "Theorien des Auslassens, Andeutens, Auffüllens" der Publikation Auslassen, Andeuten, Auffüllen. Der Film und die Imagination des Zuschauers ein. Gefolgt von den drei weiteren Kapiteln – "Filmisches Auslassen und Andeuten", "Die Imagination des Zuschauers im Dokumentar- und Stummfilm" und "Transmediale Imaginationen" – begibt sich der Sammelband auf die Suche nach einer theoretischen, vor allem begrifflichen Grundlage zur bewussten oder unbewussten imaginativen Leistung des Zuschauenden: "Dieser Band ist ein Anfang. Er kann daher eine ganze Reihe von Fragen nur anreißen, deren weitergehende Beantwortung das Ziel künftiger Forschung sein muss" (S. 30).


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Manuel Zahn: Ästhetische Film-Bildung. Studien zur Materialität und Medialität filmischer Bildungsprozesse.

Bielefeld: transcript 2012. (Theorie Bilden: 28). ISBN 978-3-8376-2121-1. 256 S. Preis: € 29,80.

Rezensiert von Karin Fest

In welcher Form trägt das Medium Film zu ästhetischer Bildung bei? Manuel Zahn reflektiert in seinem Buch Ästhetische Film-Bildung. Studien zur Materialität und Medialität filmischer Bildungsprozesse anhand unterschiedlicher Beispiele – etwa mit Peter Tscherkasskys Filmen L'Arrivée und Outer Space und Christopher Nolans Memento – das ästhetische Bildungspotenzial das diesen Filmen eingeschrieben ist. Dabei wird der Zuseher als Spurenleser in den Prozess der Filmerfahrung eingebunden, indem das Spurenlesen die medienspezifischen Eigenschaften der Filme freilegt. Das Buch bietet nicht nur exemplarisch Einblicke in die praktische Anwendung, es legt außerdem eine fundierte theoretische Grundlage für das Forschungsfeld ästhetische Filmbildung vor.


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Thomas Brandstetter/Thomas Hübel/Anton Tantner (Hg.): Vor Google. Eine Mediengeschichte der Suchmaschine im analogen Zeitalter.

Bielefeld: transcript 2012. ISBN 978-3-8376-1875-4. 262 S. Preis: € 29,70.

Rezensiert von Jana Herwig

Dass ein Big Name aus dem Silicon Valley einem Buchtitel instant den Anschein brennender Relevanz verleihen kann, ist dank einschlägiger Beispiele (u.a. The YouTube Reader, Generation Facebook) mittlerweile bekannt. Dass den so vermarkteten Inhalten das Schritthalten mit diesem Versprechen nicht immer ebenso leicht fällt, lässt sich gerade am durchwachsenen Genre des Sammelbandes immer wieder beobachten. Mit Vor Google. Eine Mediengeschichte der Suchmaschine im analogen Zeitalter (publiziert mit Unterstützung des Instituts für Wissenschaft und Kunst (IWK) Wien) setzen sich Thomas Brandstetter, Thomas Hübel und Anton Tantner nicht nur diesem Spagat aus, sondern auch dem Verdacht eines plakativen, womöglich banalen Vergleichs.


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Till A. Heilmann: Textverarbeitung. Eine Mediengeschichte des Computers als Schreibmaschine.

Bielefeld: transcript 2012. (MedienAnalysen: 10). ISBN 978-3-8376-1333-9. 290 S. Preis: € 29,80.

Rezensiert von Klaus Illmayer

Mit Blick auf die historische Übersicht, die Till A. Heilmann in seiner überarbeiten Dissertationsschrift von 2008 vorlegt, ist die Entwicklung des Schreibens am Computer eine faszinierende Erfolgsgeschichte. Auch weil die dabei entstandenen Produkte dazu fähig sind, unseren Alltag weitreichend mitzuprägen. Besonders im akademischen Bereich gehen damit vollkommen veränderte Möglichkeiten einher, Texte nicht nur zu erstellen, sondern auch zu recherchieren, weiterzubearbeiten und zu distribuieren. Neben den damit verbundenen Vor- und Nachteilen, stellt sich die Frage, wie diese veränderten Schreibweisen auch das Denken bzw. Denkarbeit erweitern. Als Grundlage einer Reflexion darüber, was Schreiben am Computer ist, vermag eine historische Darstellung der Entwicklung vom Manuskript über das Typoskript zum Digiskript wichtige Einsichten zu erbringen.


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Erika Meyer-Dietrich (Hg.): Laut und Leise. Der Gebrauch von Stimme und Klang in historischen Kulturen.

Bielefeld: transcript 2011. (Mainzer historische Kulturwissenschaften: 7). ISBN 978-3-8376-1881-5. 220 S. Preis: 29,80 €.

Rezensiert von Heiner Stahl

Gewähren die jetzt stummen Zeugen genug Information, um Tonlandschaften der pharaonischen Welt zu rekonstruieren, fragt Erika Meyer-Dietrich in ihrer Einleitung zum Tagungsband Laut und Leise. Der Gebrauch von Stimme und Klang in historischen Kulturen. Er ist 2011 im Bielefelder transcript-Verlag erschienen. Ägyptolog_Innen diskutieren darin die unterschiedlichen Dimensionen von Klanglandschaften. Sie beziehen sich dabei sowohl auf literarische und religiöse Texte als auch auf stimmliche und musikalische Praktiken der Anrufung altägyptischer Gottheiten.


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Georges Didi-Huberman: Überleben der Glühwürmchen.

München: Fink 2012. ISBN 978-3-7705-5225-2. 145 S. Preis: € 24,90.

Rezensiert von Florian Telsnig

In Zeiten eines zur Religion gewordenen Kapitalismus und der grell ausgeleuchteten Städte, die ihren Bewohnern durch Überwachung all ihrer Lebenswelten jegliche Freiräume rauben, meint man den Zenit an möglichem Pessimismus erreicht zu haben. Das große und unangenehm blendende Licht (ital. luce) der Herrschaft und Herrlichkeit ist zum holistischen Weltunternehmen geworden. Diesem Zustand setzt Georges Didi-Huberman in seinem brandaktuellen Buch die fragilen Lichter (ital. lucciola) der Glühwürmchen (franz. lucioles) als Hoffnung und Widerstand entgegen.


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Fritz Trümpi: Politisierte Orchester. Die Wiener Philharmoniker und das Berliner Philharmonische Orchester im Nationalsozialismus.

Wien/Köln/Weimar: Böhlau 2011. ISBN 978-3-205-78657-3. 357 S. Preis: € 39,–.

Rezensiert von Veronika Zangl

Die Wechselbeziehung zwischen "Musik und Politik" steht seit Jahrzehnten und insbesondere in Bezug auf Nationalsozialismus und Kommunismus zur Diskussion, und doch formulierte bislang keine Publikation den Zusammenhang dermaßen zwingend, wie Fritz Trümpi dies mit der titelgebenden Feststellung seiner Studie Politisierte Orchester vornimmt. Mit dieser Formulierung werden zwei Bereiche zusammengespannt, die mitunter mit großem Aufwand voneinander getrennt wurden – ganz sicher nach dem Nationalsozialismus in Österreich und Deutschland. In seiner kritischen Auseinandersetzung zeichnet Trümpi die Politisierung der Wiener Philharmoniker und des Berliner Philharmonischen Orchesters nicht nur historiographisch und quellenreich nach, sondern legt zudem eine methodisch interdisziplinär ausgerichtete, kulturwissenschaftliche Studie vor.


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