Christian Kiening, Mediale Gegenwärtigkeit.

Zürich: Chronos 2007. ISBN 978-3-0340-0873-0. 329 S. Preis: € 25,50.

Rezensiert von Florian Sprenger

Medien können die Funktion haben, Abwesendes anwesend zu machen. Um den Status dieser Anwesenheit ist in den letzten Jahren eine Debatte entbrannt, die sich um Begriffe wie Präsenz, Unmittelbarkeit und Gegenwärtigkeit formiert und die manchmal lange aus theoretischen Gründen zurückgehaltene Bedürfnisse zu artikulieren scheint. Neben den wichtigen Standpunktnahmen von Hans Ulrich Gumbrecht und Dieter Mersch ist hierbei etwa an Albrecht Koschorkes große Studie Körperströme und Schriftverkehr, Martin Andrées Archäologie der Medienwirkung oder an die Affektforschungen Marie-Luise Angerers und Brian Massumis zu denken.


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Andreas Kotte (Hg.), Theater im Kasten. Rimini Protokoll ● Castorfs Video ● Beuys & Schlingensief ● Lars von Trier.

Zürich, Chronos Verlag 2007. (Materialien des ITW Bern: 9) ISBN 978-3-0340-0876-1. 340 Seiten. Preis: € 35,80.

Rezensiert von Stefan Bläske

Wird Theater zum Film, wenn – wie bei Castorf, Hartmann, Pucher – auf der Bühne Videokameras und Projektionsflächen eingesetzt werden? Wird Film zum Theater, wenn – wie bei Lars von Triers Dogville – Konventionen und Ästhetiken von Theater übernommen werden? Wie lassen sich die Grenzgänge zwischen Theater und Stadtraumaktion bei Rimini Protokoll oder zwischen Theater und Politik bei Joseph Beuys und Christoph Schlingensief begrifflich fassen?


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DEFA-Stiftung Berlin (Hg.), Puppen im DEFA-Animationsfilm.

Berlin: Verlag der DEFA-Stiftung 2006. ISBN 3-00-018155-5. 120 S. Preis: € 8,-.

Rezensiert von Melanie Letschnig

2005 hätte das DEFA-Trickfilmstudio Dresden seinen 50. Geburtstag gefeiert. In der 37-jährigen Schaffensphase dieses Studios entstanden zahlreiche Filme für Kinder und Erwachsene. In allen möglichen Animationstechniken, die sich LiebhaberInnen des Genres nur vorstellen mögen, wurden Figuren mit Leben erfüllt, Die Bremer Stadtmusikanten als Silhouetten, die Figuren aus Goethes Novelle in Meißner-Porzellan, Die kluge Bauerntochter aus grob geknetetem Ton. Die Filme des DEFA-Trickfilmstudios wurden nicht nur bundesweit, sondern auch international gern gesehen.


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Guido Massino, Kafka, Löwy und das Jiddische Theater. "Dieses nicht niederzudrückende Feuer des Löwy".

Aus dem Italienischen von Norbert Bickert. Frankfurt am Main/Basel: Stroemfeld 2007. ISBN 978-3-86109-180-6. 190 S. Zahlreiche Abb. Preis: € 19,80.

Rezensiert von Brigitte Dalinger

1911, in einer Lebensphase, in der sich der 28-jährige Franz Kafka intensiv mit dem Judentum und der Frage, was es bedeutet, in Prag Jude zu sein, beschäftigte, besuchte er einige Vorstellungen einer jiddischen Theatergruppe aus Lemberg. Sie spielte, wie die meisten Wandertruppen dieser Zeit, im Saal eines Kaffeehauses; man gab jiddische Dramatik in oft nicht sehr reinem Jiddisch, eher einem Gemisch aus Deutschmährisch und Jiddisch. Die Sprache war für den jungen Schriftsteller ebenso fremdartig und faszinierend wie die Welt, die sich ihm in den Vorstellungen erschloss, eine jüdische Welt, die ihm als heil und beseelt von einem "heißen" Judentum erschien. Kafkas Tagebucheintragungen belegen die Faszination des Schriftstellers durch das jiddische Theater, dessen Stücke und SchauspielerInnen, besonders Mania (Amalia) Tschissik und Jizchak Löwy.


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Hans-Michael Bock/Wolfgang Jacobsen/Jörg Schöning/Jan Distelmeyer (Hg.), Babylon in FilmEuropa. Mehrsprachen-Versionen der 1930er Jahre.

Hamburg: edition text+kritik 2006. (Reihe: CineGraph Buch) ISBN 3-88377-838-9. 189 S. Preis: € 21,-.

Rezensiert von Katharina Wessely

Mit der Einführung des Tonfilms tauchte für Produzenten und Studios die Frage auf, wie die internationale Verwertbarkeit eines teuer hergestellten Films trotz der Sprachbarrieren weiter gewährleistet werden könnte. Heute erscheint die Filmsynchronisation als logische und quasi selbstverständliche Übersetzung des Films von einer Sprache in eine andere – damals war dies allerdings ganz und gar nicht selbstverständlich.


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Marie-Luise Angerer, Vom Begehren nach dem Affekt.

Zürich/Berlin: Diaphanes 2007. ISBN 978-3-935300-92-6. 224 S. Broschur, Fadenheftung, 24 Abbildungen. Preis: € 24,90.

Rezensiert von Vera Kropf

Ich fühle – also bin ich? Marie-Luise Angerer diagnostiziert in Vom Begehren nach dem Affekt die Ausbreitung einer affektiven Epidemie. Diese äußert sich gleichermaßen in der Euphorie über die Fußballweltmeisterschaft 2006, dem "postideologischen" emotionalisierten Politikverständnis unserer Tage, dem "performative turn" in der Kunst und der Affektbegeisterung in Medien- und Kulturtheorie.


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