Thomas Elsaesser: Film History as Media Archaeology. Tracking Digital Cinema.

Amsterdam: Amsterdam University Press 2016. ISBN 978-94-6298-057-0.

Rezensiert von Selina Hangartner

Das seit den 1980ern auflebende Interesse an der 'New Film History' ist nicht zuletzt den gleichzeitig stattfindenden Entwicklungen des Kinos – allen voran der Digitalisierung – zu verdanken. In Film History as Media Archaeology. Tracking Digital Cinema wendet sich Thomas Elsaessers beiden Phänomenen zu: Elsaessers Nachdenken aus den letzten zwanzig Jahren zusammenfassend, präsentiert dieses Buch seine filmhistorischen Fallstudien, die er im Kontext der Digitalisierung deutet.


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Nanna Heidenreich: V/Erkennungsdienste, das Kino und die Perspektive der Migration.

Bielefeld: transcript 2015 (Post_koloniale Medienwissenschaft: Band 4). ISBN 978-3-8376-2575-2. 360 Seiten, Schwarz-Weiß Abbildungen. Preis: € 26,99.

Rezensiert von Viktoria Metschl

Verkennung als Leugnung veranschaulicht zwei sich ergänzende Strukturbedingungen des Redens über Rassismus und 'Ausländerfeindlichkeit' in Deutschland. Zum einen wird Rassismus nur wörtlich benannt, um dessen gesellschaftliche Wirksamkeit zu verneinen, was eine genauere Analyse der Arbeit, die Rassismus für eine gesellschaftliche Figuration leistet, von vornherein umgeht. Zum anderen ist eine derartige Nicht-Aussage nur auf Basis einer noch viel weiter verbreiteten Verkennung möglich, der zufolge Nicht-Rassistisch-Sein lediglich eine Frage des 'guten', individuellen Willens bzw. des 'korrekten' Sprechakts sei. In dieses folgenreiche Feld des "beredten Schweigens" (S. 10) über Rassismus in Deutschland, des Aus-Sprechens als Weg-Sprechen, interveniert Nanna Heidenreichs 2015 im transcript Verlag erschienene Monographie V/Erkennungsdienste, das Kino und die Perspektive der Migration


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D.A. Miller: Hidden Hitchcock

Chicago/London: The University of Chicago Press 2016. ISBN: 978-0-226-37467-3. 186 Seiten.

Rezensiert von Sulgi Lie

Es steht ja nicht gerade rosig um sie, die gute alte textuelle Analyse, sowohl in den Filmwissenschaften als auch anderswo, in denen schon der Begriff 'Close Reading' wie ein anachronistisches Relikt aus längst hinter uns liegenden strukturalistischen, oder schlimmer noch, hermeneutischen Zeiten anmutet. Von Film überhaupt als einem Text zu reden, gilt fast schon als verpönt, als Rückfall in ein Paradigma, dass dem Film von der Literaturwissenschaft aufgepfropft wurde. Vergessen wird dabei oft, dass die Gründungsphase der akademischen Filmwissenschaft von der Entwicklung der textuellen Analyse nicht zu trennen ist, die vielleicht in Raymond Bellours Filmanalysen aus den späten 1960er Jahren am klassischsten ausformuliert ist. Die mikrologische Präzision, mit der Bellour noch am analogen Schneidetisch einige Sequenzen von Hawks, Hitchcock und Minnelli als syntagmatisches System von Alternation, Differenz und Wiederholung analysierte, in der jede noch so marginale Einstellung zur Bedeutungskonstruktion der Montage beiträgt, scheint vielleicht in dem ödipalen Reduktionismus von Bellours psychoanalytischer Hermeneutik etwas betagt, nicht aber in eben der Genauigkeit des 'Close Readings' mittels der die scheinbare Insignifikanz des klassischen Hollywood-Stils als höchst signifikanter Komplex dechiffriert wird.


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Phil Powrie: Music in Contemporary French Cinema. The Crystal-Song.

Bristol: Palgrave Macmillian 2017. ISBN 978-3-319-52361-3. 273 S. Preis: € 98,99.

Rezensiert von Claus Tieber

Phil Powrie gilt als Experte für den französischen Film und war langjähriger Vorsitzender der British Associaton of Film, Television and Screen Studies (BAFTSS). Als Filmmusikforscher ist er bislang trotz einiger Artikel zum französischen Musical kaum aufgefallen. Das dürfte sich mit der vorliegenden Veröffentlichung grundlegend ändern. Powrie behandelt in Music in Contemporary French Cinema. The Crystal Song eine bestimmte Form des Lieds im Film, welche er in Anlehnung an Gilles Deleuzes Kristall-Bild 'crystal song' nennt. Im Zuge der Bestimmung und filmhistorischen Verortung dieses 'crystal songs' liefert Powrie eine Übersicht über die Spezifika französischer Filmmusik bzw. des Einsatzes von Musik im zeitgenössischen französischen Film, wobei es ihm in erster Linie um den Einsatz prä-existenter Musik geht und weniger um für den Film komponierte Scores.


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Karen A. Ritzenhoff/Angela Krewani (Hg.): The Apocalypse in Film. Dystopias, Disasters, and Other Visions about the End of the World.

Lanham/Boulder u.a.: Rowman & Littlefield 2016. ISBN 978-1-4422-6027-6. 231 S. Preis: $ 59,82.

Rezensiert von Brigitte Stocker

Die Apokalypse, im Prinzip das finale Ereignis schlechthin, wiederholt sich seit den  Darstellungen des biblischen Jüngsten Gerichts in Kunst und Literatur durch die Jahrhunderte hindurch. Seit der Erfindung des Mediums Film finden sich in der Populärkultur unzählbare Beispiele für diesen Topos, wobei es sich meistens um Fiktionen einer postapokalyptischen Welt handelt, in der sich eine Minderheit von Überlebenden bewähren muss. Nicht immer wird dem Zuseher erläutert, in welcher Weise sich die Katastrophe abgespielt hat. Darstellungen des biblischen Weltgerichts wurden im Laufe der Zeit ersetzt durch Naturkatastrophen, Kometeneinschläge, Desaster als Folge von technischem Fortschritt und menschlicher Hybris und natürlich nukleare Katastrophenszenarien.


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