Ana Sofia Elias, Rosalind Gill, Christina Scharff (Hg.): Aesthetic Labour. Rethinking Beauty Politics in Neoliberalism.

London: Palgrave 2017. Print-ISBN: 978-1-137-47764-4. 402 S., Preis: € 35,30.

Rezensiert von Louise Haitz

Die Herausgeberinnen reagieren mit ihrem Band "Aesthetic Labour" auf eine von ihnen proklamierte Ex- und Intensivierung der "Beauty Pressures" auf Frauen, die in neoliberal aktualisierten Schönheitspolitiken spezifisch subjektiviert werden. Sie versammeln 21 Aufsätze von mehr als 21 Forscherinnen, die verschiedene Aspekte der global vorherrschenden "Beauty Politics" in sozial- und kulturwissenschaftlichen Forschungen beleuchten. Der Band ist in drei Teile aufgeteilt: I. "Aesthetic Labouring", II. "Risk, Work and (Post)Feminist Beauty", III. "Empowerment, Confidence and Subjectivity".


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Stefanie Göweil: Grenzen und Chancen der modernisierten Geschlechterordnung. Ein geschlechterkritischer Blick auf Gesellschaft und Schule.

Gießen: Psychosozial-Verlag 2017. (Reihe: Forschung Psychosozial). ISBN 978-3-8379-2677-4. 309 S., Preis: € 39,90.

Rezensiert von Sabine Prokop

Stefanie Göweil, Philosophin und Germanistin, die die Fächer Deutsch, Psychologie/Philosophie sowie Deutsch als Zweit- und Fremdsprache an einem Wiener Gymnasium unterrichtet, stellt die Frage, was "gar nicht so neu im angeblich so Neuen des neoliberalen Ideals der Selbstunternehmer_in?" (S. 39) ist, und erarbeitet sowohl detailliert als auch tiefschürfend Grenzen und Chancen einer individualisierten Geschlechterordnung. Unter Anerkennung von gesellschaftlichen Transformationsprozessen blickt sie – ausgehend von Österreich – auf das Bildungssystem als einem der Orte, wo "der neue Geschlechtervertrag an die Frau gebracht wird" (S. 39). Die Begeisterung und Hingabe der Autorin ist deutlich spürbar und stärkt die Bereitschaft der Leser_innen, sich auf die anspruchsvolle Darstellung von philosophischer, psychoanalytischer und feministischer sowie post-feministischer Theoriebildung einzulassen. Das 300-seitige Buch ist nichts zum schnell Lesen, aber ideal für vertiefende Auseinandersetzung mit dem Patriarchat als komplexem System von Benennung und Verschiebung sowie mit der symbolischen Ordnung der Geschlechter (weshalb die Begriffe Frau und Mann im Buch ohne Gendersternchen* benannt werden, sonst setzt Göweil verschiedene Möglichkeiten der gendergerechte/re/n Sprache ein). Dabei dient die Problematik der Subjektwerdung als roter Faden in den verschlungenen und immer wieder in weiteren und neuen Zusammenhängen wiederkehrenden Überlegungen. Das Buch bleibt jedoch nicht bei der dialektischen, inter- und transdisziplinären Analyse stehen, sondern zeigt Auswege auf, die weit über den schulischen Bereich hinausgehend gesellschaftlich relevant sein können und sollen.


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Lavinia Heller (Hg.): Kultur und Übersetzung. Studien zu einem begrifflichen Verhältnis.

Bielefeld: transcript 2017. (Reihe: Interkulturalität. Studien zur Sprache, Literatur und Gesellschaft, Bd. 8). Print-ISBN: 978-3-8376-2963-7. 305 S., Preis: € 34,99.

Rezensiert von Birgit Haberpeuntner

Was geschieht in akademischen Kulturen, "wenn sich Grundbegriffe ändern, wenn neue Begriffe eingeführt und bewährte in den Hintergrund gerückt werden, oder wenn bereits tradierte Begriffe eine andere Position innerhalb der Theoriearchitektur bzw. eines Fachdiskurses zugewiesen bekommen" (S. 8)? Diesen Fragestellungen widmeten sich die Teilnehmer_innen einer Tagung, die 2013 in Mainz vom Fachbereich für Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft zum Zweck des "(selbst-)kritischen Austausch[s]" (ebd.) über Disziplinen hinweg ausgerichtet wurde. Die Tagung, sowie der vorliegende Tagungsband, Kultur und Übersetzung, verfolgen damit ein Programm, das vor allem vor dem Hintergrund der seit Jahren rege geführten Debatte zu dem begrifflichen Spannungsfeld zwischen 'Kultur' und 'Übersetzung' als besonders ambitioniert erscheint.


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Sonja Hnilica/Elisabeth Timm (Hg.): Das Einfamilienhaus.

Zeitschrift für Kulturwissenschaften, Heft 1/2017. ISBN 978-3-8376-3809-7. 176 S., Preis: € 14,99.

Rezensiert von Patrick Aprent und Melanie Konrad

Der vorliegende Band der Zeitschrift für Kulturwissenschaften 1/2017 beschäftigt sich mit der materiellen und symbolischen Bedeutung des 'Einfamilienhauses' seit der Frühen Neuzeit. Sowohl für das Adelshaus, das Einfamilienhaus im Vorort, die Praxis des Heimwerkens sowie die aktuelle Neubewertung des Einfamilienhauses gilt, dass sie mit sozio-kulturellen und sozio-politischen Rahmenbedingungen der jeweiligen Zeit eng verzahnt sind. Im einführenden Text "Das Einfamilienhaus als neue anonyme Architektur. Bestand und Begehren" befassen sich die Autorinnen Sonja Hnilica und Elisabeth Timm mit dem suburbanen Einfamilienhaus als materiellem und kulturellem Erbe des 20. Jahrhunderts. Themenbereiche, wie die 'Freiheit' und 'Wohlstand' symbolisierende Wirkkraft des Einfamilienhauses, die Verschränkung mit Konsum-, Mobilitäts- und Medienverhalten im 20. Jahrhundert, die über diese Wohnform herausgebildete gesellschaftliche Ordnung (Kleinfamilie, Mittelschicht) sowie die heute zu lösenden Probleme in Strukturpolitik und Stadtentwicklung, werden allesamt überblicksartig skizziert und problematisiert. Ausgang ist ein historischer Abriss über die Entstehung dieser Bautypologie und im speziellen die Verflechtung mit politischen und sozioökonomischen Zuständen seiner Zeit. Weiters wird die (historische) wissenschaftliche Rezeption sowie der verfehlte Fachdiskurs zum Massenphänomen Einfamilienhaus beleuchtet. Der Text, welcher somit auch einen kurzen Ausblick auf das vorliegende Buch gibt, betont abschließend die Wichtigkeit, die fachspezifischen Positionen neu zusammenzubringen, um den 'Bestand' Einfamilienhaus besser zu verstehen.


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