Karin Harrasser: Prothesen. Figuren einer lädierten Moderne.

Berlin: Vorwerk 8 2016. ISBN 978-3-940384-77-5. 344 S., 92 Abbildungen. Preis: € 24,-.

Rezensiert von Vrääth Öhner

Walter Benjamin hat einmal sinngemäß geschrieben, dass Erkenntnis nur blitzhaft zu haben sei, und der Text als Explikation der Erkenntnis wäre der lang nachrollende Donner. Das Denkbild passt ganz gut zur Monografie, die Karin Harrasser 2016 vorgelegt hat: Prothesen. Figuren einer lädierten Moderne versetzt den Gegenstand der Untersuchung (die Prothese) auf eine Weise unvermittelt in ein semantisch mehrdeutiges Spannungsfeld (die lädierte Moderne), dass daraus Funken schlagen. Die strahlende Fortschrittserzählung von der unendlichen Neuerfindung und Verbesserung des Menschen und der Welt, die lange Zeit über die Vorstellung von Moderne grundiert hatte, schlägt plötzlich ins Bild versehrter, verstümmelter und notdürftig zusammengeflickter Körper und damit ins Bild einer Moderne um, deren stahlhartes Gehäuse von Schadstellen übersät ist.


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