Karen Barad: Verschränkungen.

Berlin: Merve 2015. ISBN: 978-3-88396-353-2. 224 S. Preis: € 21,–.

Rezensiert von Sabine Prokop

Eine "bunt zusammengewürfelte Crew queerer Kolleg_innen – unter ihnen soziale Amöben, Blitze, eine Phantomspezies der Dinoflagellanten, Akademiker_innen (eine merkwürdige Gefährten-Spezies), und Atome" (S. 125) sowie meist die Quantenphysik (ohne Mathematik!) sind die Assistenz der US-amerikanischen Quantenphysikerin, Philosophin und feministischen (Natur-)Wissenschaftstheoretikerin Karen Barad. Ihr bei Merve erschienener Band Verschränkungen ist charakterisiert von ihrem Vorhaben, "innerhalb der Natur- und Technikwissenschaften daran zu arbeiten, dass deren rassistische, kolonialistische, sexistische, heterosexistische Geschichten beachtet und dadurch ihre aktuellen Funktionsweisen gestört werden" (S. 175, Herv. i. Orig.).


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Susanne von Falkenhausen: Jenseits des Spiegels. Das Sehen in Kunstgeschichte und Visual Culture Studies.

Paderborn: Fink 2015. ISBN: 978-3-7705-5973-2. 270 S. Preis: € 34,90.

Rezensiert von Sabine Prokop

Seit dem Aufkommen der Visual Culture Studies um 1990 in den USA und Großbritannien prägen eine Abgrenzungsrhetorik und der Kampf um die Deutungshoheit von visuellen Kulturen der Gegenwart das Verhältnis zwischen den Visual Culture Studies und der Kunstgeschichte. Susanne von Falkenhausen, emeritierte Professorin für Neuere Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Moderne an der Humboldt-Universität zu Berlin, setzt sich in ihrer Publikation Jenseits des Spiegels mit der Lektüre elementarer Texte aus beiden Gebieten auseinander und lässt diese Dynamik hinter sich. Das Sehen verbindet beide Wissenschaftsdisziplinen, es strukturiert "die Visualität der Visual Culture Studies ebenso grundsätzlich wie den Modus Operandi der Kunstgeschichte" (S. 15).


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Angelika Baier/Christa Binswanger/Jana Häberlein/Yv Eveline Nay/Andrea Zimmermann (Hg.): Affekt und Geschlecht. Eine einführende Anthologie.

Wien: Zaglossus 2014. ISBN 978-3-902902-10-8. 484 S. Preis: € 24,95.

Käthe von Bose/Ulrike Klöppel/Katrin Köppert/Karin Michalski/Pat Treusch (Hg.): I is for Impasse. Affektive Queerverbindungen in Theorie_Aktivismus_Kunst.

Berlin: b_books 2015. ISBN 978-3-942214-21-6. 148 S. Preis: € 16,–.

Rezensiert von L* Reiter

In Pyjamas und Bademänteln steht der 'Feel Tank Chicago' erstmals am 1. Mai 2003 auf der Straße und knüpft mit dieser Aktion an einen zentralen Slogan der zweiten Welle der Frauenbewegung an: Das Private ist politisch. Ebenso sind ihre/unsere Depressionen als "kulturell[e] und sozial[e] Phänomen[e]" (AuG, S. 58) politisch, indem sie "Machtverhältnisse in Alltagspraxen" (AuG, S. 125) übersetzen. Oder um es mit Sara Ahmed körperzentrierter zu formulieren und die Aussage auf verschiedene Gefühle auszuweiten: "Feelings might be how structures get under our skin" (IifI, S. 10).


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Paul B. Preciado: Testo Junkie. Sex, Drogen und Biopolitik in der Ära der Pharmapornographie.

Berlin: b_books 2016. ISBN 978-3-942214-18-6. 460 S. Preis: € 20,–.

Rezensiert von L* Reiter

"Am Anfang dieses Buches habe ich Testosteron genommen […]; ich wollte mich selbst enthaupten, mir den Kopf, der von einem Geschlechts-Programm geprägt war, abschneiden, ich wollte einen Teil des molekularen Modells sezieren, das in mir wohnt. Dieses Buch ist die Spur, die von diesem Schnitt geblieben ist" (S. 419). In Testo Junkie entwickelt Paul Preciado anhand von Gendertheorie, einer Genealogie einer geschlechtsbezogenen Pharmazie und der Protokollierung der Eigeneinnahme von Testosteron eine "somapolitische Theorie des Selbst" (S. 11).


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