T. F. Earle/Catarina Fouto (Hg.): The Reinvention of Theatre in Sixteenth Century Europe. Traditions, Texts and Performance.

London: Legenda 2015. ISBN 978-1-907-97576-9. 341 S., mehrere Abbildungen, Index. Preis: € 72,55.

Rezensiert von Anke Charton

"There is very little in the history of the theatre in Western Europe that has escaped academic attention, and the sixteenth century is no exception." Bereits der einleitende Satz dieses von Thomas F. Earle und Catarina Fouto herausgegebenen Sammelbandes skizziert den Anspruch der Publikation: nämlich vor allen Dingen Bekanntes neu zu vernetzen und zu beleuchten. Dies gelingt in recht hohem Maße, wirft aber vor dem Hintergrund des Bandtitels – The Reinvention of Theatre – auch wiederholt die Frage nach dem zugrunde gelegten Theaterbegriff auf: Ist das 16. Jahrhundert theaterhistorisch wirklich bereits umfassend erforscht?


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Lorenz Aggermann/Georg Döcker/Gerald Siegmund (Hg.): Theater als Dispositiv. Dysfunktion, Fiktion und Wissen in der Ordnung der Aufführung.

Frankfurt am Main: Peter Lang 2017. (Reihe: theaomai. Studien zu den performativen Künsten 9). 978-3-631-71367-9. 276 S. Preis: € 58,60.

Rezensiert von David Krych

Mit der Frage, was "im Zentrum des Faches Theaterwissenschaft zu stehen hat" (S. 7), beschäftigt sich der Sammelband Theater als Dispositiv, der aus der gleichnamigen Fachtagung am Institut für angewandte Theaterwissenschaft (Justus-Liebig-Universität Gießen) hervorgeht und zugleich Teil eines von Gerald Siegmund geleiteten DFG-Projekts ist. Unter dieser Frage werden inhaltlich und disziplinär diverse Artikel versammelt, die in keiner Weise blindlings affirmativ zu dem Projekt stehen, sondern dieses sowohl kritisch als auch vielseitig problematisieren.


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Helmar Schramm: Das verschüttete Schweigen. Texte für und wider das Theater, die Kunst und die Gesellschaft. Hg. v. Erhard Ertel/Joachim Fiebach/Michael Lorber und Anne Schramm.

Berlin: Theater der Zeit 2017 (Recherchen 132). ISBN 978-3-95749-102-2. 356 S., Preis: € 22,–.

Rezensiert von Theresa Eisele

Das Kaleidoskop, so verrät es die editorische Notiz zum Band Das verschüttete Schweigen, war das Lieblingsspielzeug von Helmar Schramm. Er habe eine Sammlung in seiner Kreuzberger Wohnung aufbewahrt und diese gelegentlich an Themenabenden Mitarbeitenden und Studierenden vorgeführt. Die vorangestellte Anekdote ist programmatisch für den nun vorliegenden Band, der erstmals wesentliche Texte des 2015 verstorbenen Theaterwissenschaftlers versammelt. Die Textauswahl – zusammengestellt und herausgegeben von Erhard Ertel, Joachim Fiebach, Michael Lorber und Anne Schramm – vermittelt das "kaleidoskophafte Denken" (S. 11) Schramms, der in seinen Arbeiten über vier Jahrzehnte hinweg eine sich wandelnde Welt stets neu ins Verhältnis setzte.


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Susanne Quinten/Stephanie Schroedter (Hg.): Tanzpraxis in der Forschung – Tanz als Forschungspraxis. Choreographie – Improvisation – Exploration.

Bielefeld: transcript 2016. (Jahrbuch Tanzforschung: 26). ISBN 978-3-8376-3602-4. 248 S. Preis: € 29,99.

Rezensiert von Marcel Behn

Wie entsteht Wissen über Tanz? Welcher Art ist dieses Wissen? Inwiefern ist Tanz selbst, entgegen herkömmlicher Wissen(schaft)sverständnisse, als Forschungspraxis zu begreifen? Über welche Verfahren der Wissensgenerierung und -vermittlung verfügt eine solche tänzerische Forschungspraxis? Und welches erkenntnistheoretische Potenzial entfaltet diese Praxis wiederum als Gegenstand disziplinübergreifender Forschung? Dies sind zentrale Fragen, die im interdisziplinär angelegten, von Stephanie Schroedter und Susanne Quinten herausgegebenen Sammelband Tanzpraxis in der Forschung – Tanz als Forschungspraxis. Choreographie – Improvisation – Exploration verhandelt werden. Die Publikation umfasst mehrheitlich Beiträge, die anlässlich der von der Gesellschaft für Tanzforschung und der Medical School Hamburg ausgerichteten Tagung "Practice as Research in Dance" (30. Oktober bis 1. November 2015) entstanden sind.


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Thomas Elsaesser: Film History as Media Archaeology. Tracking Digital Cinema.

Amsterdam: Amsterdam University Press 2016. ISBN 978-94-6298-057-0.

Rezensiert von Selina Hangartner

Das seit den 1980ern auflebende Interesse an der 'New Film History' ist nicht zuletzt den gleichzeitig stattfindenden Entwicklungen des Kinos – allen voran der Digitalisierung – zu verdanken. In Film History as Media Archaeology. Tracking Digital Cinema wendet sich Thomas Elsaessers beiden Phänomenen zu: Elsaessers Nachdenken aus den letzten zwanzig Jahren zusammenfassend, präsentiert dieses Buch seine filmhistorischen Fallstudien, die er im Kontext der Digitalisierung deutet.


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Nanna Heidenreich: V/Erkennungsdienste, das Kino und die Perspektive der Migration.

Bielefeld: transcript 2015 (Post_koloniale Medienwissenschaft: Band 4). ISBN 978-3-8376-2575-2. 360 Seiten, Schwarz-Weiß Abbildungen. Preis: € 26,99.

Rezensiert von Viktoria Metschl

Verkennung als Leugnung veranschaulicht zwei sich ergänzende Strukturbedingungen des Redens über Rassismus und 'Ausländerfeindlichkeit' in Deutschland. Zum einen wird Rassismus nur wörtlich benannt, um dessen gesellschaftliche Wirksamkeit zu verneinen, was eine genauere Analyse der Arbeit, die Rassismus für eine gesellschaftliche Figuration leistet, von vornherein umgeht. Zum anderen ist eine derartige Nicht-Aussage nur auf Basis einer noch viel weiter verbreiteten Verkennung möglich, der zufolge Nicht-Rassistisch-Sein lediglich eine Frage des 'guten', individuellen Willens bzw. des 'korrekten' Sprechakts sei. In dieses folgenreiche Feld des "beredten Schweigens" (S. 10) über Rassismus in Deutschland, des Aus-Sprechens als Weg-Sprechen, interveniert Nanna Heidenreichs 2015 im transcript Verlag erschienene Monographie V/Erkennungsdienste, das Kino und die Perspektive der Migration


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D.A. Miller: Hidden Hitchcock

Chicago/London: The University of Chicago Press 2016. ISBN: 978-0-226-37467-3. 186 Seiten.

Rezensiert von Sulgi Lie

Es steht ja nicht gerade rosig um sie, die gute alte textuelle Analyse, sowohl in den Filmwissenschaften als auch anderswo, in denen schon der Begriff 'Close Reading' wie ein anachronistisches Relikt aus längst hinter uns liegenden strukturalistischen, oder schlimmer noch, hermeneutischen Zeiten anmutet. Von Film überhaupt als einem Text zu reden, gilt fast schon als verpönt, als Rückfall in ein Paradigma, dass dem Film von der Literaturwissenschaft aufgepfropft wurde. Vergessen wird dabei oft, dass die Gründungsphase der akademischen Filmwissenschaft von der Entwicklung der textuellen Analyse nicht zu trennen ist, die vielleicht in Raymond Bellours Filmanalysen aus den späten 1960er Jahren am klassischsten ausformuliert ist. Die mikrologische Präzision, mit der Bellour noch am analogen Schneidetisch einige Sequenzen von Hawks, Hitchcock und Minnelli als syntagmatisches System von Alternation, Differenz und Wiederholung analysierte, in der jede noch so marginale Einstellung zur Bedeutungskonstruktion der Montage beiträgt, scheint vielleicht in dem ödipalen Reduktionismus von Bellours psychoanalytischer Hermeneutik etwas betagt, nicht aber in eben der Genauigkeit des 'Close Readings' mittels der die scheinbare Insignifikanz des klassischen Hollywood-Stils als höchst signifikanter Komplex dechiffriert wird.


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Phil Powrie: Music in Contemporary French Cinema. The Crystal-Song.

Bristol: Palgrave Macmillian 2017. ISBN 978-3-319-52361-3. 273 S. Preis: € 98,99.

Rezensiert von Claus Tieber

Phil Powrie gilt als Experte für den französischen Film und war langjähriger Vorsitzender der British Associaton of Film, Television and Screen Studies (BAFTSS). Als Filmmusikforscher ist er bislang trotz einiger Artikel zum französischen Musical kaum aufgefallen. Das dürfte sich mit der vorliegenden Veröffentlichung grundlegend ändern. Powrie behandelt in Music in Contemporary French Cinema. The Crystal Song eine bestimmte Form des Lieds im Film, welche er in Anlehnung an Gilles Deleuzes Kristall-Bild 'crystal song' nennt. Im Zuge der Bestimmung und filmhistorischen Verortung dieses 'crystal songs' liefert Powrie eine Übersicht über die Spezifika französischer Filmmusik bzw. des Einsatzes von Musik im zeitgenössischen französischen Film, wobei es ihm in erster Linie um den Einsatz prä-existenter Musik geht und weniger um für den Film komponierte Scores.


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Karen A. Ritzenhoff/Angela Krewani (Hg.): The Apocalypse in Film. Dystopias, Disasters, and Other Visions about the End of the World.

Lanham/Boulder u.a.: Rowman & Littlefield 2016. ISBN 978-1-4422-6027-6. 231 S. Preis: $ 59,82.

Rezensiert von Brigitte Stocker

Die Apokalypse, im Prinzip das finale Ereignis schlechthin, wiederholt sich seit den  Darstellungen des biblischen Jüngsten Gerichts in Kunst und Literatur durch die Jahrhunderte hindurch. Seit der Erfindung des Mediums Film finden sich in der Populärkultur unzählbare Beispiele für diesen Topos, wobei es sich meistens um Fiktionen einer postapokalyptischen Welt handelt, in der sich eine Minderheit von Überlebenden bewähren muss. Nicht immer wird dem Zuseher erläutert, in welcher Weise sich die Katastrophe abgespielt hat. Darstellungen des biblischen Weltgerichts wurden im Laufe der Zeit ersetzt durch Naturkatastrophen, Kometeneinschläge, Desaster als Folge von technischem Fortschritt und menschlicher Hybris und natürlich nukleare Katastrophenszenarien.


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Marie-Luise Angerer: Affektökologie: Intensive Milieus und zufällige Begegnungen.

Lüneburg: meson press 2017. ISBN: 978-3-95796-090-0. 72 S. Preis: € 11,90. Open-Source-Version

Rezensiert von Melanie Konrad und Stefan Schweigler

Marie-Luise Angerers neue Publikation Affektökologien. Intensive Milieus und zufällige Begegnungen (2017) aktualisiert ihre Studie zum Begehren nach dem Affekt (2005) hinsichtlich theoriebildender Felder (bei Angerer "Milieus"), die gegenwärtig in je unterschiedlicher Weise Zugriffe auf Affekttheorie forcieren. Die kurze Verschriftlichung ihrer Potsdamer Antrittsvorlesung (2016) verdichtet ein kompliziertes Vorhaben, denn der zum Nachdenken und Nachschlagen anregende Text steigt auf einer recht komplexen Stufe des Einschätzens der Gegenwart von Affektologie ein. Die Autorin bespricht einige Traditionen von Affekttheorie, legt zentrale, wiederkehrende aber auch minoritäre Argumentationen akzentuiert frei und führt diese in einem Votum für eine Affektlehre der Intensitäten, des Politischen und radikaler Zeitlichkeit zusammen, welche sie skizzenhaft in Aussicht stellt.


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Roland Barthes: Auge in Auge. Kleine Schriften zur Photographie. Hrsg. von Peter Geimer und Bernd Stiegler.

Berlin: Suhrkamp 2015. ISBN 978-3-518-29755-1. 352 S. Preis: € 20,00.

Rezensiert von Dominik Schrey

Zweifellos ist Roland Barthes einer der wichtigsten Impulsgeber der Fotografietheorie. Verteilt über die knapp drei Jahrzehnte seit der Publikation seines ersten Buchs Am Nullpunkt der Literatur (Le Degré zéro de l'écriture) 1953 bis zu seinem Tod als Folge eines Verkehrsunfalls im Jahr 1980 hat er sich in zahlreichen Texten mit fotografischen Bildern, dem Werk einzelner Fotografen und 'der PHOTOGRAPHIE' an sich beschäftigt. Nachhaltig den Diskurs geprägt hat dabei vor allem sein letztes zu Lebzeiten erschienenes Buch Die helle Kammer (La Chambre claire, 1980), das heute häufig als eine Art Testament der Fotografie in einem – vermeintlich – 'postfotografischen' Zeitalter gehandelt wird. Von der Digitalisierung selbst, die in den folgenden Jahren die Fotografie maßgeblich verändern sollte, ist hier natürlich noch keine Rede. Stattdessen exerziert Barthes in seinem eigenwilligen letzten Essay virtuos das gesamte Spektrum jener 'spektraler' Metaphern durch, die die Auseinandersetzung mit der Fotografie bis heute bestimmen. Die helle Kammer oszilliert stilistisch zwischen Ontologie und persönlicher, fast schon intimer Trauerarbeit: Der Text wird gleichsam vom Geist der verstorbenen Mutter 'heimgesucht', deren Fotografie zwar Ausgangspunkt zentraler theoretischer Reflexionen ist, dabei jedoch nie gezeigt wird und so lediglich als 'abwesende Präsenz' durch das Buch geistert.


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Wendy Hui Kyong Chun: Updating to Remain the Same. Habitual New Media.

Cambridge (MA): MIT Press 2016. ISBN: 978-0-262-03449-4. 246 S. Preis: € 32,49 (Hardcover).

Rezensiert von Ulrike Wirth

Der Arbeitstitel von Wendy Hui Kyong Chuns Updating to Remain the Same. Habitual New Media (2016) lautete Imagined Networks. Warum der Netzwerkbegriff nicht im Buchtitel aufscheint, jedoch eine Schlüsselrolle im formalen wie argumentativen Aufbau einnimmt, wird in der Lektüre nachvollziehbar. Schließlich möchte Chun unter Bezugnahme auf Jean-Luc Nancy ein Netzwerk mobilisieren, das außerhalb sauberer Verbindungslinien und Knotenpunkte eine (medialisierte) Gemeinschaft herzustellen vermag und plädiert, digitale Öffentlichkeitsräume zu imaginieren, die die 'Verletzlichkeit' ihrer UserInnen dereinst nicht sanktionieren.


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Gabriella Giannachi: Archive Everything. Mapping the Everyday.

Cambridge/London: MIT 2016. ISBN: 9780262035293. 240 S. 56 s/w Abbildungen. Preis: € 41,99.

Rezensiert von Doris Posch

Gabriella Giannachis jüngste Publikation Archive Everything (2016) ist weniger eine historische Abhandlung der Entstehungsgeschichte des Archivs als Sammlungs- und Dokumentationsstätte als vielmehr ein aktives Verhandeln des Archivierens als Praxis, die in die Alltagskultur einfließt und von der partizipativen User_in mitgeneriert wird. In fundierten transdisziplinären Fallstudien legt die Autorin ein überzeugendes Plädoyer zu einem gegenwärtigen Archivverständnis von "Everything" im "Everyday" vor, das gleichermaßen an Museums- und Medientheoretiker_innen sowie Kurator_innen gerichtet ist.


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Brian Massumi: Politics of Affect.

Cambridge/Malden: Polity 2015. ISBN: 978-0-7456-8982-1. 232 Seiten. € 20,90.

Rezensiert von Hauke Lehmann

Der sogenannte affective turn, der in Medien- und Kulturwissenschaften bereits seit längerem zu verzeichnen ist und mittlerweile auch die Sozialwissenschaften erreicht hat, besitzt ganz offensichtlich politische Implikationen – insbesondere, aber nicht nur, für eine Kritik des Neoliberalismus. Diese sind auch von zahlreichen Forschern aufgegriffen und ausformuliert worden, etwa durch Michael Hardt und Antonio Negri, Lauren Berlant, Sara Ahmed oder Nigel Thrift. Der vorliegende Band, eine Sammlung von Interviews mit dem Philosophen und Affekttheoretiker Brian Massumi, verspricht zumindest in seinem Titel, diese Verbindung von Politik und Affekt auf eine systematische Grundlage zu stellen.


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Dominik Schrey: Analoge Nostalgie in der digitalen Medienkultur.

Berlin: Kulturverlag Kadmos 2017 (Kaleidogramme: Bd. 147). ISBN 9-783865-993458. 406 S., 40 farbige Abbildungen. Preis: € 29,80.

Rezensiert von Bianca Westermann

Die Smartphonehülle zitiert die Musikkassette, während Blockbuster einen analogen Look durch digitalisiertes Filmkorn erhalten; gleichzeitig zelebrieren Fans analoger Spiegelreflexkameras die Entschleunigung der (Digital-)Fotografie und immer mehr Musiker_innen lassen ihre Alben parallel zur digitalen Veröffentlichung wieder auf Schallplatten pressen. Dominik Schreys Dissertation untersucht diese Faszination des Analogen, dessen Fetischisierung es gleichsam als "Sehnsuchtsort digitaler Medienkultur" (S. 148) erscheint lässt. Seine umfassende Analyse macht deutlich: Die Analoge Nostalgie ist weit mehr als ein ästhetischer Effekt; sie ist ein Diskursphänomen, das es erlaubt, den (digitalen) Medienwandel der letzten Jahrzehnte zu reflektieren.


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Karin Harrasser: Prothesen. Figuren einer lädierten Moderne.

Berlin: Vorwerk 8 2016. ISBN 978-3-940384-77-5. 344 S., 92 Abbildungen. Preis: € 24,-.

Rezensiert von Vrääth Öhner

Walter Benjamin hat einmal sinngemäß geschrieben, dass Erkenntnis nur blitzhaft zu haben sei, und der Text als Explikation der Erkenntnis wäre der lang nachrollende Donner. Das Denkbild passt ganz gut zur Monografie, die Karin Harrasser 2016 vorgelegt hat: Prothesen. Figuren einer lädierten Moderne versetzt den Gegenstand der Untersuchung (die Prothese) auf eine Weise unvermittelt in ein semantisch mehrdeutiges Spannungsfeld (die lädierte Moderne), dass daraus Funken schlagen. Die strahlende Fortschrittserzählung von der unendlichen Neuerfindung und Verbesserung des Menschen und der Welt, die lange Zeit über die Vorstellung von Moderne grundiert hatte, schlägt plötzlich ins Bild versehrter, verstümmelter und notdürftig zusammengeflickter Körper und damit ins Bild einer Moderne um, deren stahlhartes Gehäuse von Schadstellen übersät ist.


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