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Alexandra Rainer: Gefährliche Planetengirls. Die Frauen auf der Enterprise.

Heidenau: PD-Verlag 2000. 236 S. ISBN 3-930737-89-2. Preis: ATS 204,--/DM 28,--/sfr 28,--.

Rezensiert von: Katharina Wessely

Die Autorin hat es sich zur Aufgabe gestellt, die patriarchalen, sexistischen Muster, nach denen die Fernsehserie Star Trek funktioniert, aufzuzeigen. Bereits im Vorwort wird postuliert, daß Star Trek sexistisch ist und auftauchende Frauen nach der Logik der Serie eliminiert werden müssen, weil sie die "Gesamtpersönlichkeit", das "Triumvirat" der drei männlichen Hauptpersonen Kirk, Pille und Spock sonst gefährden würden.

 

Das "traditionelle Verständnis der Frau als hilfloses Weibchen zieht sich durch alle 79 Folgen. Es lohnt sich, einen Blick darauf zu werfen." (S. 7) Gespannt auf die Beweisführung dieser im Vorwort aufgestellten These (die später übrigens kommentarlos widerlegt wird - mehr dazu weiter unten) und willens, den flapsigen Tonfall zu übergehen, der die Männer stets nur als "Jungs" oder "Jungens" bezeichnet (als Rache dafür, daß auf der Enterprise Frauen meist "girls" genannt werden??), starte ich in den Haupttext. Die Ernüchterung stellt sich bereits nach dem Umblättern und der darauffolgenden Überprüfung im Inhaltsverzeichnis ein: Der Text ist nicht durchgängig, sondern aufgeteilt in Einzelkapitel von allerhöchstens sechs, im Durchschnitt aber ca. zweieinhalb Seiten - und zwar in 80 Kapitel: für jede Folge eins und eines für den Pilotfilm, das aus dem aufschlußreichen Satz besteht: "1. The Cage. Die nicht gesendete Pilotfolge wird in den Episoden 12 und 13 besprochen." (S. 9)

 

Rasch tun sich beim Lesen die ersten Unklarheiten auf, gepaart mit der bemüht jugendlichen Sprache sorgen sie für die ersten Zweifel an der Beweiskraft des Buches. So soll in einer Folge beispielsweise ein junger Bursche aufgeklärt werden, die Frage danach, wer das übernehmen soll, wird von den Figuren gegen den Arzt (Pille) für den Ersatzvater (Kirk) entschieden, von Rainer allerdings kommentarlos gewendet in "psychologisch geschult" (= gut) versus "harter Raumschiffkapitän" (= böse). Diese Vereinfachung der Charaktere, die sich durch das ganze Buch zieht, macht es simpel und uninteressant. Rainer hat ihre Stereotypen intus und ist gewillt, sie gnadenlos jeder Szene überzustülpen. Das macht am Anfang stutzig, verärgert dann zusehends und nach ca. 30 Seiten ist man so weit, die Herren auf der Enterprise gegen soviel Simplizität in den Geschlechterbeziehungen verteidigen zu wollen. Aber vielleicht ist auf der Enterprise wirklich alles so einfach? Dann hätte es allerdings schwerlich ein ganzes Buch gebraucht, um das zu demonstrieren, was in einigen wenigen Seiten genausogut festgestellt hätte werden können: Die Welt ist schlecht, ganz besonders auf der Enterprise / die Wirklichkeit ist schlecht, die Fiktion noch schlechter.

 

Verursacht durch diese Unerfreulichkeiten wird das Lesetempo schneller und schneller, der Text in seiner Mischung aus Inhaltsnacherzählung und beinahe schon teenagerhafter Ereiferung setzt dem aber nichts entgegen, bald beginnt man, die Kapitel nur noch zu überfliegen, nur noch jedes dritte zu lesen, um schließlich schlicht zum letzten und einzigen größeren Kapitel Sexismus im All vorzublättern. Doch die mittlerweile sehnsüchtig erwartete Analyse ist auch hier nicht zu finden. Statt dessen folgt wieder eine Auflistung der einzelnen Serienfolgen, jetzt allerdings thematisch sortiert, nach den Auftritten von Uhura, dem Vorkommen von Affären o.ä.

 

Das sieht dann beispielsweise so aus: "27. Uhura läuft auf ihren Platz und springt auf, als alle Waffen plötzlich heiß werden. Naja, sie hat nicht gerade viel zu tun. Aber immerhin durfte sich die Frau einmal bewegen. 28. Und weil es so schön war: Uhura läuft schon wieder." (S. 204)

 

Die Analyse dieser Bruchstücke besteht aus ungefähr einer dreiviertel Seite, in der die Zusammenfassung der Zusammenfassung nochmals zusammengefaßt wird, um dann befriedigt festzustellen: "Uhura ist das arme Opfer, sadistische Gefühle werden durch diese Figur ausgelebt. Und doch wurde sie für viele Frauen ein Idol und Hoffnungsträger [ich dachte eigentlich, sie wäre eine Hoffnungsträgerin, aber bitte; K. W.] für eine gleichberechtigtere Zukunft." (S. 209f.) Damit wäre also bewiesen, was im Vorwort bereits feststand. Auf die Diskrepanz dieser beiden Bilder von Uhura wird allerdings nicht näher eingegangen.

 

Dabei ist das tatsächlich ein interessantes Ergebnis, dessen Zustandekommen allerdings rätselhaft, weil aus dem Buch nicht nachvollziehbar ist: "Und das [die Widersprüchlichkeit der Figuren, K. W.] ist eben die Besonderheit an der Classic Serie. Die ursprüngliche Intention und die Wirkung sind unterschiedlich. Eine angepaßte, untergeordnete, Minirock tragende Uhura wird zu einer Symbolfigur und Hoffnungsträgerin vieler schwarzer, farbiger und weißer Karrierefrauen und böse Hexen können Identifikation bieten. [...] Für kurze Zeit gab es sie: Kämpfende, mordende, aktive, böse, manipulierende und machthungrige weibliche Ungeheuer." (S. 222f.) - diese Ambivalenz der Figuren muß aber als Potential zu widerständigen Rollenbildern entweder in ihnen selbst angelegt sein - dann frage ich mich, warum über 200 Seiten lang die patriarchale Welt der Enterprise geprügelt wurde, statt diese Möglichkeiten zur Umdeutung aufzuzeigen -, oder aber die positive Interpretation kam von außen, vom (weiblichen) Publikum - dann wäre eine Untersuchung der Rezeption der Serie vielleicht interessanter gewesen.

In jedem Fall wäre diese Widerständigkeit der Figuren gegen simple Deutungen, über die hier lediglich ein Absatz verloren wird, der Punkt gewesen, über den ich gerne ein Buch gelesen hätte. So allerdings bleibt die Lektüre leider enttäuschend.

 

Veröffentlicht am 18.09.2001 (Archiv)

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