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Theaterstückesammlung Pfetten. Katalog zur Sammlung.

Erlangen: Harald Fischer Verlag 2004. ISBN 3-89131-412-4. 320 S. Preis: € 96,-.

Rezensiert von: Matthias Johannes Pernerstorfer

Die Universitätsbibliothek München hat in Zusammenarbeit mit dem Harald Fischer Verlag im Jahre 2004 eine Mikrofiche-Edition der Theaterstückesammlung Pfetten hergestellt. Nun können die Texte dieser Sammlung, welche in 446 Oktavbänden 1.809 Stücke aus dem Zeitraum 1735 bis 1802 beinhalten, vervielfältigt und gelesen werden, ohne die Bücher dadurch in Mitleidenschaft zu ziehen.

 

Die Recherche im Bestand der Sammlung[1] erfolgt problemlos über die Homepage des Harald Fischer Verlages; die einzelnen Texte können in Form von Mikrofilmen oder pdf-Dateien angefordert werden (die Kosten belaufen sich in den meisten Fällen auf 30,- € pro Stück). Aus konservatorischen Gründen ist eine solche Mikrofilm-Edition begrüßenswert; nicht nur, was den täglichen Gebrauch im Zuge von wissenschaftlichen Arbeiten betrifft, sondern besonders in Anbetracht des Brandes in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar (2.9.2004) oder des Einsturzes des Historischen Archivs der Stadt Köln (3.3.2009).

 

Der Katalog zur Sammlung umfasst ein Vorwort (S. 5–8), Hinweise zur Benutzung (S. 9), den Katalog der Stücke (S. 11–282; 40 % "Lustspiele", 25 % "Schauspiele", 20 % "Trauerspiele" und Stücke diverser anderer Gattungen von einer interessanten Auswahl von Autorinnen und Autoren) sowie ein Personen- (S. 287–297) und ein Titelregister (S. 299–320). Dieser Katalog ist "in erster Linie gedacht als Führer durch die Mikrofiche-Edition, aber er kann zugleich ein nützliches bibliographisches Hilfsmittel für diejenigen sein, die die Edition nicht erwerben" (S. 8), wie Wolfgang Müller im knapp gehaltenen Vorwort schreibt.[2] Diesen Anspruch erfüllt der Katalog durchaus, da etwa bei den vielen anonym erschienenen Drucken nach Möglichkeit die Verfasserin bzw. der Verfasser ermittelt wurde. Für künftige Katalogisierungsprojekte[3] wäre es darüber hinaus wünschenswert, jeweils Verweise zu den Angaben in Reinhard Meyers Bibliographia dramatica et dramaticorum[4] aufzunehmen (das Projekt hält derzeit bei Band 2.28, 1781-1783; Band. 2.29 soll im Juni 2009 erscheinen). Diese monumentale Bibliographie sollte als Referenzwerk herangezogen werden, da darin der Versuch unternommen wird, die deutschsprachigen Dramendrucke des 18. Jahrhunderts vollständig zu erfassen, und sie deutlich mehr Informationen zu den einzelnen Stücken bietet als sämtliche frühere Bibliographien.

 

Für jene, die etwas ausführlicher über die Theaterstückesammlung Pfetten informiert werden wollen, ist der Katalog allerdings nicht gedacht. So liest man etwa, dass "die Identität des 'Baron de Pfetten' nicht belegt" sei, es sich aber bei dem Begründer der Sammlung "wohl um den kurbayerischen Kämmerer und Erbschenken des Hochstiftes Regensburg Johann Ignaz von Pfetten (1719–1803) gehandelt haben [dürfte]" (S. 5). Wer dieser Herr war, welche Rolle er für das Theater und die Literatur der Zeit spielte, warum gerade er als Sammler in Frage kommt, erfährt man, obwohl dies von großem Interesse wäre, nicht. Von der inhaltlichen Zusammensetzung der Sammlung wird nur ein grobes Bild geboten und Fragen nach der Entstehung und der inneren Logik der Sammlung werden nicht behandelt.

 

So bleibt zu resümieren, dass der Katalog sein (eng gestecktes) Ziel erreicht, darüber hinaus aber viele Fragen für die weitere Forschung offen lässt.

 

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[1] Die Theaterstückesammlung Pfetten. 1.809 Werke mit 220.000 Seiten auf 2.881 Mikrofiches. Erlangen: Harald Fischer Verlag 2003, ISBN 3-89131-450-7. 2881 Mikrofiches. Ms 22.000 S. Diazo negativ: EUR 15.900,– (ohne Mwst.) / EUR 18.921,– (inkl. Mwst.) Silber negativ: EUR 19.080,– (ohne Mwst.) / EUR 22.705,20 (inkl. Mwst.) Die Lieferung erfolgt incl. MAB2- bzw. UNIMARC/USMARC-Daten und Katalog.

 

[2] Siehe dazu weiters Wolfgang Müller: "Theatergeschichtliche Sammlungen der Universitätsbibliothek München." In: Bibliotheksforum Bayern 32 (2004/1), S. 23–32.

 

[3] Ein solches Katalogisierungsprojekt zur Theaterbibliothek Pálffy wird vom Verfasser für das Don Juan Archiv Wien durchgeführt; siehe Matthias J. Pernerstorfer: "Die Theater-Bibliothek Pálffy." In: Birgit Peter/Martina Payr (Hg.), "Wissenschaft nach der Mode"? Die Gründung des Zentralinstituts für Theaterwissenschaft an der Universität Wien 1943. Wien: Lit Verlag 2008, S. 124–134.

 

[4] Reinhard Meyer: Bibliographia dramatica et dramaticorum. Kommentierte Bibliographie der im ehemaligen deutschen Reichsgebiet gedruckten und gespielten Dramen des 18. Jahrhunderts nebst deren Bearbeitungen und Übersetzungen und ihrer Rezeption bis in die Gegenwart. II. Abteilung: Einzelbände 1700-1800. Tübingen: Niemeyer 1993ff.

 

Veröffentlicht am 06.05.2009 (Ausgabe 2009/1)

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