Hans-Thies Lehmann: Tragdie und dramatisches Theater.

Berlin: Alexander 2013. ISBN 978-3-89581-308-5. 736 S. Preis: 68,.

Rezensiert von Monika Meister

Die großangelegte und weit ausgreifende Studie Tragödie und dramatisches Theater von Hans-Thies Lehmann, ein profundes Opus magnum, fokussiert die poetische Konstruktion sowie theatrale Ausdrucksformen der Tragödie, des Tragischen und des Dramas sowie gegenwärtige szenische Formen der Tragödie und des Tragischen. Das opulente Buch spannt einen weiten historischen Bogen vom antiken griechischen zum postdramatischen Theater und stellt ein am Material elaboriertes Instrumentarium des Denkens des Theaters dar. Die Intention dieser Diskursgeschichte und ihrer auf jahrzehntelangen Forschungen basierenden Untersuchung scheint die Rückgewinnung der theatralen Dimension des Gegenstandes zu sein.


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Didier Plassard: Mises en Scne dAllemagne(s).

Paris: CNRS editions 2014. ISBN: 978-2-271-07345-7. 383 S. Preis: 59,.

Rezensiert von Eva Holling

Am Anfang von Mises en Scène d'Allemagne(s) steht ein Motto von Bernard Dort, der das deutsche Theater als bewundernswert bezeichnet, ein Eldorado, von dem man nur träumen könne – entsprechend beginnt der französische Sammelband zu deutschem Regietheater mit der Vorstellung, dass um 20:00 Uhr abends in der Bundesrepublik Deutschland nicht etwa die Tagesschau der Publikumsmagnet sei, sondern die Bühnen einer vielfältigen und einzigartigen Theaterlandschaft. So nimmt sich der Band vor, unterstützt von diversen Abbildungen, einen repräsentativen Überblick über Theaterproduktionen und -modelle aus der BRD und der DDR der letzten Jahrzehnte zu liefern. Dabei fokussiert er kein 'geteiltes Deutschland', sondern zwei Staaten mit verschiedenen Produktionsvoraussetzungen, deren Beziehungen sowohl formal als auch inhaltlich deutschsprachiges Theaterschaffen geprägt haben.


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Thomas Seedorf: Heldensoprane. Die Stimmen der eroi in der italienischen Oper von Monteverdi bis Bellini. (Figurationen des Heroischen 1).

Gttingen: Wallstein 2015. ISBN 978-3-8353-1730-7. 88 S. Preis: 12,90.

Rezensiert von Anke Charton

Warum gibt es im deutschen Sprachgebrauch einen Heldentenor, aber keinen Heldensopran? Und das, obwohl Heldensoprane doch hörbar existieren? Ausgehend von dieser Beobachtung, die Zuschreibungen von Geschlecht, Stimmfach und Heldenhaftigkeit berührt, begibt sich Thomas Seedorf, als Mitglied des an der Universität Freiburg angesiedelten DFG-Sonderforschungsbereichs Helden – Heroisierungen – Heroismen, auf die Suche nach den Heldensopranen in der Operngeschichte und wird gleich mehrfach fündig: bei den Sängerkastraten der Barockoper und bei den Sängerinnen in Heldenpartien bis ins mittlere 19. Jahrhundert. Diesen Heldenbildern und ihren Hintergründen geht Seedorf kenntnisreich und gut lesbar nach und liefert dabei eine interdisziplinär zum Weiterdenken einladende Einführung über die Grenzen der Musikwissenschaft hinaus.


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Bruno Tackels: Les critures de plateau. tat des lieux.

Besanon: Les Solitaires Intempestifs 2015. ISBN 978-2-84681-441-6. 121 S. Preis: 15,.

Rezensiert von Katharina Stalder

Das 20. Jahrhundert war die Zeit des Regietheaters, welches dem Publikum (klassische oder zeitgenössische) Texte durch die Vermittlung der Regie zugänglich machte. Das Theater des 21. Jahrhunderts wäre für Bruno Tackles folgendes: Text und Regie werden verschmolzen, ein 'Theaterstück' existiert noch nicht, wenn der Probenprozess beginnt. Bruno Tackels nennt diese Art, Theater zu machen, 'écriture de plateau', was sich (etwas schwerfällig) mit 'Schreibprozess auf der Probebühne' übersetzen ließe – und sich sowohl von Improvisation als auch von kollektiver Erarbeitung unterscheidet, da dieses Verfahren weder zum Ziel hat, beim Proben Texte zu erarbeiten, noch zwingend in einem Kollektiv entsteht.


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Christiane Voss, Lorenz Engell (Hg.): Mediale Anthropologie.

Mnchen: Fink 2015. ISBN 978-3-7705-5799-8. 298 S. Preis: 39,90.

Rezensiert von Nicolai Glasenapp

Innerhalb der unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen wird die Anthropologie als sogenanntes 'kleines Fach' eingestuft. Bei allen pejorativen Implikationen sollte dieser Terminus nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei ihr um eine äußerst anschlussfähige und vielschichtige Fachrichtung handelt. Wollte man ihre Wissenschaftsgeschichte visualisieren, käme man nicht ohne die Darstellung von Verästelungen aus – dem entspricht, dass sich in mehreren der großen Wissenschaftsdisziplinen eigene Teildisziplinen herausgebildet haben, die konsequent anthropologische Aspekte in den Mittelpunkt stellen, darunter etwa die historische, theologische, philosophische oder auch die literarische Anthropologie.


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Susanne Eichner, Lothar Mikos, Rainer Winter (Hg.): Transnationale Serienkultur. Theorie, sthetik, Narration und Rezeption neuer Fernsehserien.

Wiesbaden: Springer 2013. ISBN: 978-3531-17868-4 420 S. Preis: 49,99.

Rezensiert von Florian Wagner

Ästhetik und Narration neuerer Fernsehserien sowie ihrer Rezeption widmen sich die insgesamt 22 Beiträge des in der Schriftenreihe "Film, Fernsehen, Medienkultur" erschienenen Sammelbandes. Der im Titel Transnationale Serienkultur. Theorie, Ästhetik, Narration und Rezeption neuer Fernsehserien suggerierten Fragestellung wird der Sammelband aber eigentlich nur in seinem Kernkapitel gerecht, in dem es um die kolumbianische Telenovela Yo soy Betty, la fea geht.


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Iris Roebling-Grau, Dirk Rupnow (Hg.): 'Holocaust'-Fiktion. Kunst jenseits der Authentizitt.

Paderborn: Fink 2015. ISBN 978-3-7705-5505-5. S. 298. Preis: 49,90.

Rezensiert von Eva Waibel

'Holocaust'-Fiktion – zum überwiegenden Teil auf Beiträgen einer 2011 an der LMU München veranstalteten gleichnamigen Tagung basierend – unternimmt den Versuch einer aktuellen Bestandsaufnahme zeitgenössischer Ausformungen der Erinnerungskultur und der damit einhergehenden künstlerischen Darstellungen des Holocaust. Das beeindruckend breitgefächerte Spektrum unterschiedlicher künstlerischer Formate, Formen und Medien, bzw. deren aktuelle Verhandlungen des Topos Holocaust, wird von insgesamt 15 internationalen Wissenschaftler_innen aus verschiedenen Fachrichtungen anhand zahlreicher Fallbeispiele zu fassen versucht.


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