Inhalt der Ausgabe 2010/1

André Eiermann, Postspektakuläres Theater. Die Alterität der Aufführung und die Entgrenzung der Künste.

Bielefeld: transcript 2009. ISBN: 3837612198. 424 S. Preis: € 35,80.

Rezensiert von David Krych

Nach 'dem dramatischen' Theater und 'dem postdramatischen' Theater ist anscheinend sowohl die Denk- als auch Sachgeschichte an einen Punkt gelangt, der ein weiteres chronologisches Historisierungskonstrukt abverlangt: 'das' postspektakuläre Theater. In seiner Dissertation versucht André Eiermann "eine – oder vielmehr die – grundlegende Frage der Theaterwissenschaft [zu klären]: Was ist eine Aufführung?" (S. 12)


>> zum Artikel

Erika Fischer-Lichte, Theaterwissenschaft. Eine Einführung in die Grundlagen des Faches.

Tübingen/Basel: A. Francke 2010. (UTB 3103). ISBN: 978-3-8252-3103-3 (UTB), 978-3-7720-8277-1 (Francke). 273 S. Preis: € 19,90.

Rezensiert von Klaus Illmayer und David Krych

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch Erika Fischer-Lichte, Professorin an der FU Berlin, eine Einführung in die Theaterwissenschaft vorlegen würde. Nun ist es also so weit und wie in Andreas Kottes Einführung prangt auch bei Fischer-Lichte als Haupttitel einzig und allein das Wort "Theaterwissenschaft" am Cover. Was folgt, sind drei groß angelegte Teile, in denen sich die Autorin zunächst den "Gegenständen und Grundbegriffen" des Faches zuwendet, danach "Arbeitsfelder, Theorien und Methoden" darlegt, um abschließend noch auf "Ausweitungen und Interrelationen" einzugehen.


>> zum Artikel

Sabine Föllinger, Aischylos. Meister der griechischen Tragödie.

München: C. H. Beck 2009. ISBN 978-3-406-59130-3. 224 S., mit fünf Stammtafeln und fünf Abbildungen im Text. Preis: € 25,60.

Rezensiert von Katharina Dufek

Der griechische Dichter Aischylos (525/4 - 456/5 v. Chr.) war der erste antike Dramatiker, dessen Tragödien auch nach seinem Tod wiederaufgeführt werden durften – damals eine besondere Ehre. Bis heute stehen sie auf den Theaterspielplänen und erstaunen durch ihre Aktualität.


>> zum Artikel

Klaus Kastberger/Kerstin Reimann, Ödön von Horváth. Kasimir und Karoline. Hg. unter Mitarbeit von Julia Hamminger und Martin Vejvar. Bd. 4 von: Klaus Kastberger (Hg.), Ödön von Horváth. Wiener Ausgabe sämtlicher Werke. Historisch-kritische Edition. Am Österreichischen Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek.

Berlin/New York: Walter de Gruyter 2009. ISBN: 978-3-11-019614-6. 590 S., geb., m. Abb. Preis € 289,-.

Rezensiert von Johann Hüttner

Die Wiener Ausgabe sämtlicher Werke Ödön von Horváths ist eine historisch-kritische textgenetische Edition und wird alle Werke (auch Fragmente) sowie alle verfügbaren Briefe und Lebensdokumente des Autors umfassen. Basis bilden die umfangreichen Materialien aus dem Nachlass Ödön von Horváths im Österreichischen Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek (inklusive von Leihgaben der Wienbibliothek). Kasimir und Karoline als Band 4 ist der erste erschienene. Umfänge und Erscheinungsabfolgen sind bei solchen Unternehmungen schwer planbar, und man kann den Herausgebern und dem Verlag nur alles Gute wünschen – nicht jede historisch-kritische Ausgabe hat es bis zum letzten Band geschafft.


>> zum Artikel

Manfred Mittermayer/Martin Huber (Hg.), "Österreich selbst ist nichts als eine Bühne" – Thomas Bernhard und das Theater.

Wien: Österreichisches Theatermuseum und Christian Brandstätter Verlag 2009. ISBN 978-3-85033-324-9. Abbildungen. 192 S. Preis: € 36,-.

Rezensiert von Gini Müller

"Österreich selbst ist nichts als eine Bühne" – Thomas Bernhard und das Theater heißt das zur gleichnamigen Ausstellung im österreichischen Theatermuseum erschienene Begleitbuch, das die Kuratoren Manfred Mittermayer und Martin Huber (Leiter des Bernhard-Archivs) in Zusammenarbeit mit dem Christian Brandstätter Verlag anlässlich des 20. Todesjahrs von Thomas Bernhard 2009 herausgegeben haben.


>> zum Artikel

Pia Janke/Teresa Kovacs/Christian Schenkermayr, "Die endlose Unschuldigkeit". Elfriede Jelineks Rechnitz (Der Würgeengel).

Wien: Praesens 2010 (Diskurse.Kontexte.Impulse, Bd. 6). ISBN: 978-3-7069-0592-3. 482 S. Preis: € 38,-.

Rezensiert von Veronika Zangl

"Die Opfer sprechen nicht", so Elfriede Jelinek im Gespräch mit Pia Janke, das den Sammelband um den 'Fall Rechnitz' bzw. Jelineks Stück Rechnitz (Der Würgeengel) eröffnet (S. 21). Zur Sprache kommen in dem von Pia Janke, Teresa Kovacs und Christian Schenkermayr herausgegebenen Band hingegen HistorikerInnen, Literatur-, Theater- und KulturwissenschafterInnen, PublizistInnen, Theater-, Film- und Musikschaffende, um nur einige zu nennen. Anliegen der HerausgeberInnen ist es, "das Spektrum der 'Stimmen' zu Rechnitz in all ihren Widersprüchen zu zeigen und keine vorschnellen Harmonisierungen herzustellen oder gar einen Schlussstrich zu ziehen." (S. 13)


>> zum Artikel

Anton Bierl/Gerald Siegmund/Christoph Meneghetti/Clemens Schuster (Hg.), Theater des Fragments. Performative Strategien im Theater zwischen Antike und Postmoderne.

Bielefeld: transcript 2009. (MedienAnalysen, Band 3). ISBN 978-3-89942-999-2. 310 S., Preis: € 29,80.

Rezensiert von Stefan Bläske und Anna Teuwen

Leerstellen Zwischenräume Störungen Brüche Reste Risse – als defizitär werden sie schon lange nicht mehr begriffen. Das Fragmentarische als ästhetisches Merk/Mal der Postmoderne ist viel beschworen, die Skepsis gegenüber jeder Art von Totalität allgegenwärtig. TheatermacherInnen schwören dem Gedanken des Gesamt-Kunstwerks ab und widmen sich dem Work in Progress, dem Scheitern, dem Materialhaften, dem Sampling, der Trennung der Elemente und der Subversion der geschlossenen (Re-)Präsentation; TheoretikerInnen betonen die performative und politische Kraft des widerständigen Bruchstücks. Im Herbst 2009 erschien nun bei transcript ein Sammelband, dessen Konzeption Jean-Luc Nancys 1994 erschienener Aufsatz "Die Kunst - ein Fragment" zugrunde liegt. Quoi de neuf?


>> zum Artikel

Bernd Stegemann, Dramaturgie.

Berlin: Theater der Zeit 2009. (Lektionen 1). ISBN 978-3-940737-34-2. 350 S. Preis: € 18,-.

Rezensiert von Petra Rathmanner

Das Theater lebt von Gedanken und Handlungen, die nicht sein sollten: von Mord und Totschlag, Betrug und Verrat, von Eifersucht und Liebesleid. Welche Absicht verfolgt indes die bühnenwirksame Darstellung menschlichen Treibens? Welcher Logik gehorcht ein Theatertext - und wie müssen Handlungen gebaut sein, um glaubhaft zu sein? Kernfragen dieses Formats beleuchtet nun Bernd Stegemanns Kompendium Dramaturgie - mit Hilfe von einführenden Kommentaren und Auszügen aus 65 programmatischen Texten von Aristoteles über Brecht und Schimmelpfennig bis Rimini Protokoll.


>> zum Artikel

Jen Harvie, theatre & the city. Joe Kelleher, theatre & politics.

Basingstoke: Palgrave Macmillan 2009. (theatre &). ISBN 978-0-230-20522-2, 978-0-230-20523-9. 104 S., 96 S. Preis: £ 4,99/€ 6,99.

Rezensiert von Katharina Wessely

Die Reihe "theatre&" der britischen TheaterwissenschaftlerInnen Jen Harvie und Dan Rebellato mit dem hübschen Untertitel small books on theatre & everything else hat es sich zur Aufgabe gesetzt, die ruhelose interdisziplinäre Energie des Theaters zu erkunden, "asking how the theatre might illuminate the world and how the world might illuminate the theatre" (Harvie, S. x).


>> zum Artikel

Richard Blank, Film & Licht. Die Geschichte des Filmlichts ist die Geschichte des Films.

Berlin: Alexander 2009, ISBN 978-3-89581-199-9. 264 S. Inkl. DVD. Preis: € 39,90.

Rezensiert von Marlis Schmidt

Alles fing damit an, dass Richard Blank einen Film drehte. In diesem Film sollte es eine Szene geben, die sich nachts unter einem Baum abspielt. Vom Kameramann verlangte Blank, den Boden um den Baum herum halbkreisförmig auszuleuchten, damit Personen, die sich aus der Nacht dem Baum näherten, schlagartig ins Licht treten würden. 'Kann ich nicht machen', meinte der Kameramann: 'Der Mond wirft nämlich keinen halbkreisförmigen Schatten unter einen Baum.' 'Wieso der Mond?' fragte sich Blank. 'Wer führt denn hier Regie?'


>> zum Artikel

Gabriele Jutz, Cinéma Brut. Eine alternative Genealogie der Filmavantgarde.

Wien/NewYork: Springer 2010. (Edition Angewandte) ISBN: 978-3-211-99149-7. 298 S., 44. Abb., 25 in Farbe., Geb. € 49,95.

Rezensiert von Franziska Bruckner

Der 'Avantgardefilm' – ein vielfach gebrauchter Begriff um innovative Kunstströmungen zu verorten, die ihrer Zeit voraus sind. Der 'Avantgardefilm'– ein vielfach missbrauchter Begriff um bestimmte Kunstwerke zu nobilitieren und von anderen Werken abzuheben. Dieses theoretische Korsett bricht Gabriele Jutz mit ihrer nun veröffentlichten Habilitationsschrift Cinéma brut. Eine alternative Genealogie der Filmavantgarde auf und kreiert mit äußerster Präzision einen neuartigen Blickwinkel im verhärteten 'Avantgardefilm-Diskurs'.


>> zum Artikel

Bernd Scheffer/Christine Stenzer (Hg.), Schriftfilme. Schrift als Bild in Bewegung.

Bielefeld: Aisthesis 2009. (Schrift und Bild in Bewegung 16). ISBN 978-3-89528-749-7. 247 S, Zahlreiche Abbildungen. Preis: € 24,80.

Rezensiert von Marlis Schmidt

"Das Ideal wäre natürlich – ihr Nichtvorhandensein! Aber solange der Film noch nicht die Entwicklungsstufe des rein bildhaften Ausdrucks erreicht hat und der Ergänzung und Erläuterung durch das Wort bedarf, sind die Bestrebungen der Fachleute ungemein zu begrüßen, die dahin zielen, die toten Buchstaben zu verlebendigen und sie so organisch mit der Bilderfolge zu verbinden […]." – so beklagt ein anonymer Verfasser in seinem Artikel "Auch die Schrift spielt mit!!" (In: Mein Film Nr. 108/1928, S. 13/14) die Untrennbarkeit von geschriebenem Wort und Film.


>> zum Artikel

Petra Maria Meyer (Hg.), acoustic turn.

München: Fink 2008. ISBN 978-3-7705-4389-2. 723 S., zahlr. s/w Abb., 2 DVD. Preis: € 88,-/sfr 149,-.

Rezensiert von Christine Ehardt

"Das Ohr ist der bevorzugte Sinn der Aufmerksamkeit. Es wacht gewissermaßen an der Grenze, jenseits deren das Auge nicht mehr sieht." (Paul Valéry, Hefte. Frankfurt am Main 1993, S. 33) Der interdisziplinäre Tagungsband Acoustic turn, herausgegeben von der Theater- und Medienwissenschafterin Petra Maria Meyer, setzt auf einen programmatischen Titel, um dem Hörsinn (wissenschaftliche) Aufmerksamkeit zu verleihen.


>> zum Artikel

Caja Thimm(Hg.), Das Spiel: Muster und Metapher der Mediengesellschaft.

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. 2010. ISBN 987-3-531-16459-5. Preis € 29,90.

Rezensiert von Susanne Rabler

Der von Caja Thimm herausgegebene, aus einer Ringvorlesung entstandene Sammelband mit dem Titel "Das Spiel: Muster und Metapher der Mediengesellschaft", erörtert all jene Entwicklungen in der Medienlandschaft, die sich in irgendeiner Form um das Spielerische drehen. Gegliedert in zwei getrennte Teile sind zuerst "Theoretische Zugänge" und dann "Spiele – Form und Inhalt" die zwei zentralen Thematiken. Schnell wird klar, dass mit dem "Spiel" sehr oft Computerspiele gemeint sind, eine allgemein gültige Definition von "Spiel" an sich bleibt der Band allerdings schuldig.


>> zum Artikel

Inge Baxmann/Sebastian Göschel/Melanie Gruß/Vera Lauf (Hg.), Arbeit und Rhythmus. Lebensformen im Wandel.

München: Fink 2009. ISBN: 978-3-7705-4766-1. 259 Seiten, zahlreiche Abb., Kart., Preis € 32,90/CHF 52,90.

Rezensiert von Vera Kropf

Im Fokus von Arbeit und Rhythmus. Lebensformen im Wandel steht die "Frage nach den Auswirkungen und Potentialen der Umstrukturierung von Arbeit für soziale Lebensformen und –rhythmen" (S. 7). Das sind Schlaglichter auf eine Umbruchssituation, in der wir uns eben jetzt befinden; auf die Neuverhandlung des Verhältnisses von Arbeit und Leben und auf die damit einhergehende Verunsicherung, in der schlagwörtlichen Figur des sich selbst vermarktenden 'flexiblen Menschen' repräsentiert.


>> zum Artikel

Ulrike Häußer/Marcus Merkel (Hg.), Vergnügen in der DDR.

Berlin: Panama 2009. ISBN: 978-3938714041. 464 S. Preis: € 24,80.

Rezensiert von Henning Wrage

Bereits ein erster Blick ins Inhaltsverzeichnis dieses Buchs verrät, dass man es hier nicht mit einem der lange Zeit üblichen Texte über die DDR zu tun hat, die sich entweder zu einem Verriss oder zur Apologie hin polarisierten: Die Einteilung in die Kapitel "feiern", "amüsieren", "unterhalten" und "entspannen" samt "Anmerkungen zum sozialistischen Gelächter", "Sex und Saufen" oder zur Freikörperkultur scheint statt dem Leben in einer, je nach Forschungslage, totalitären oder (gefälligkeits-)diktatorischen Gesellschaft eher das Programm einer AIDA-Kreuzfahrt abzubilden - und in der Tat: Auch ein Artikel über die DDR-Traumschiffe findet sich im Band.


>> zum Artikel