Inhalt der Ausgabe 2011/2

Henry Bial/Scott Magelssen (Hg.): Theater Historiography. Critical Interventions.

Ann Arbor: University of Michigan Press 2010. ISBN 978-0-472-05133-3. 302 S. Preis: € 25,99.

Rezensiert von Aneta Bialecka

Auch wenn die historischen und digitalen Zeitebenen zu einem linearen Fluss zusammengefasst scheinen, blickt dieser Band in die Zukunft zurück. Hinter ausufernder thematischer Diversität, beeindruckender methodischer Selbstreflexivität und einer flexibel vernetzten Interdisziplinarität bleibt die Frage nach der wissenschaftlichen Fassbarkeit der Transitorik einer Aufführung nach wie vor aktuell. Die Skepsis gegenüber der 'empirisch' zusammengetragenen Faktizität von Theatergeschichte trifft auf eine Theaterhistoriographie, die mit Erstaunen ihren Zeugnissen der emotionalen Erfahrung begegnet und positivistische Plausibilität hinterfragt.


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Veronika Darian: Das Theater der Bildbeschreibung. Sprache, Macht und Bild in Zeiten der Souveränität.

München: Fink 2011. ISBN 978-3-7705-4946-7. 214 S. Preis: € 29,90.

Rezensiert von Katalin Cseh

Das Theater der Bildbeschreibung lässt sich als Landkarte lesen, auf der sich theater- und medienwissenschaftliche Vernetzungen darstellen. Als Orientierungspunkte zeichnen sich hier die absolutistischen Verhältnisse von Bild, Sprache/Schrift und Macht ab, die in Hinblick auf ein performatives Verständnis von Bildbeschreibung untersucht und in den Kosmos der Intermedialität eingegliedert werden.


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Horst Fassel: Das Deutsche Staatstheater Temeswar (1953–2003). Vom überregionalen Identitätsträger zum Experimentellen Theater.

Berlin/Münster/Wien u. a.: LIT 2011. (Thalia Germanica 11). ISBN 978-3-643-11413-6.575 S. Preis: € 59,90.

Rezensiert von Hans Dama

Die wissenschaftliche Gesellschaft Thalia Germanica, 1993 in Tallinn/Vancouver gegründet, hat in ihrer Buchreihe bisher zehn Titel herausgebracht. Meist handelte es sich um Tagungsbände, die sich mit deutschsprachigem Theater außerhalb des deutschen Sprachraums beschäftigten, aber auch um Überblicksdarstellungen und Einzelmonographien (z. B. über das deutschsprachige Theater in Kanada oder das Stadttheater Torun/Thorn). Der Vorsitzende der Gesellschaft hat als Nummer 11 der Buchreihe eine Monographie des Deutschen Staatstheaters Temeswar (Rumänien) vorgelegt, die sich mit dem ersten staatlich voll subventionierten deutschen Theater in Südosteuropa beschäftigt, das seit 1953 in der multinationalen Banater Hauptstadt tätig ist. Wie sich das Deutsche Staatstheater während der kommunistischen Diktatur (1953–1989) im Schatten der Zensur entwickelte und wie es nach 1990 eigene Wege in eine europäisch intendierte Professionalität suchte, wird in diesem neuen Buch dargestellt.


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Ann-Christin Focke: Unterwerfung und Widerstreit. Strukturen einer neuen politischen Theaterästhetik.

München: Utz 2011. (Münchener Universitätsschriften Theaterwissenschaft 19). ISBN 978-3-8316-4074-4. 255 S. Preis: € 47,–.

Rezensiert von Laurette Burgholzer

Was ist 'politisches' Theater? Theater, das vorherrschende politische Ideologien bestätigt, oder Theater, das ebendiese hinterfragt und dekonstruiert? Diese Fragen stehen am Anfang von Ann-Christin Fockes Dissertation, welche eine gegenwärtige Veränderung politischen Theaters auf ästhetischer Ebene und in Bezug auf dargestellte Macht- und Ordnungsverhältnisse konstatiert, diesen Wandel mithilfe von Michel Foucaults Begriff der "Unterwerfung" sowie Jean-François Lyotards "Widerstreit" theoretisiert und das 'neue' politische Theater an ausgewählten Produktionen von Christoph Schlingensief, René Pollesch und Rimini Protokoll aus den Jahren 2000 bis 2006 festmacht. Anders als dem 'traditionellen' politischen Theater, gehe es "[e]inem politischen Theater im Lyotard'schen Sinne [...] nicht um die Emanzipation der Figuren [...], sondern um die Emanzipation des Zuschauers selbst – durch die Erfahrung einer unüberwindbaren Inkommensurabilität aller Regelsysteme. Emanzipation wird hier nicht dargestellt, sondern hergestellt" (S. 81).


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Danijela Kapusta: Personentransformation. Zur Konstruktion und Dekonstruktion der Person im deutschen Theater der Jahrtausendwende.

München: Utz 2011. (Münchener Universitätsschriften Theaterwissenschaft 20). ISBN 978-3-8316-4904-2. 208 S. Preis: € 47,–.

Rezensiert von Lisa Kammann

Die Frage nach dem zeitgenössischen Subjekt, seine Behauptung, Auflösung und prozesshafte Reformulierung, bildet sowohl im Gegenwartstheater des deutschsprachigen Raumes wie auch in der theaterwissenschaftlichen Betrachtung einen bedeutenden Schwerpunkt. Danijela Kapusta widmet sich in ihrer Dissertation den Tendenzen der Konstruktion sowie der Dekonstruktion der dramatischen Person anhand der dramaturgischen Analyse von acht ausgewählten Theatertexten. Dabei liegt der Fokus auf den jeweils spezifischen formalen Merkmalen, die nach Kapusta bedeutenden Einfluss auf den Stellenwert der Dramatis Personae haben.


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Corinna Kirschstein/Sebastian Göschel/Fee Isabelle Lingnau (Hg.): Herbert Ihering. Umschlagplätze der Kritik. Texte zu Kultur, Politik und Theater.

Berlin: Vorwerk 8 2010. ISBN 978-3-940384-23-2. 296 S. Preis: € 19,–.

Rezensiert von Katharina Dufek

Herbert Ihering (1888–1977) war einer der bedeutendsten Theaterkritiker der Weimarer Republik. Seine Aufführungsbeschreibungen und Schauspielerporträts zählen nach wie vor zu den wesentlichen Quellentexten für die Beschäftigung mit dem Theater während des Ersten und vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und wurden mehrfach herausgegeben. Weitgehend unbeachtet geblieben ist bisher seine Arbeit als Kulturtheoretiker und -politiker, die jetzt von Corinna Kirschstein, Sebastian Göschel und Fee Isabelle Lingnau gewürdigt wird.


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Miu Lan Law: Zu einer Ästhetik des Hybriden. Eine Geschichte der Verflechtung von deutschen Theaterkünstlern mit chinesischer Theaterkultur im frühen 21. Jahrhundert.

Berlin: Freie Universität Berlin 2011. 181 S. 38 Abb. URL: http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000020422.

Rezensiert von Gabriele E. Otto

Einer Ästhetik des Hybriden auf die Spur zu kommen, diesen Versuch unternimmt die Theaterwissenschaftlerin Miu Lan Law in ihrer Dissertation, indem sie sich – im Rahmen des Internationalen Graduiertenkollegs Inter Art Studies der FU Berlin – der Geschichte der Verflechtung von deutschen Theaterkünstlern mit chinesischer Theaterkultur im frühen 21. Jahrhundert zuwendet.


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Bettine Menke: Das Trauerspiel-Buch. Der Souverän – das Trauerspiel. Konstellationen – Ruinen.

Bielefeld: transcript 2010. ISBN 978-3-89942-634-2. 280 S. Preis: € 25,80.

Rezensiert von Florian Wagner

Walter Benjamins Ursprung des deutschen Trauerspiels gilt vielen als eines seiner schwierigsten Werke. Grund dafür ist die selbst ausgewiesenen Benjamin-ForscherInnen zuweilen nur schwer zugängliche "Erkenntniskritische Vorrede", die Benjamin seiner Habilitationsschrift voranstellte. Bettine Menke hält sich nicht mit diesem Minenfeld der Benjamin-Forschung auf. Sie bezieht die Vorrede nicht in ihre Untersuchung ein und plädiert vielmehr für die Neuentdeckung von Benjamins Habilitationsschrift als Arbeitsbuch.


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Helmar Schramm/Ludger Schwarte/Jan Lazardzig (Hg.): Spuren der Avantgarde: Theatrum anatomicum. Frühe Neuzeit und Moderne im Kulturvergleich.

Berlin/New York: De Gruyter 2011. (Theatrum Scientiarum 5). ISBN 978-3-11-024578-3. 582 S. Preis: € 119,95.

Rezensiert von Stefanie Schmitt

Das Setting ist ein durch und durch theatrales: Den Zugang zum neuzeitlichen Anatomiesaal machen Eintrittsbillets exklusiv, die Sitzanordnung rund um den Seziertisch ist dem antiken Theaterraum verwandt. Illustrationen an den Wänden ringsher, und zu den Füßen des Kadavers liegt, was einer Überprüfung unterzogen wird: das Buch, und in ihm das gedruckte Wissen, der bisherige Status quo. Im Fluchtpunkt aller Raum- wie Blicklinien und von Klängen darmbespannter Saiteninstrumente untermalt steht predigend der Anatom. Des Menschen 'wahrstes' Inneres legt er nun – Schnitt für Schnitt – vor aller Augen offen. Hier wirken die wichtigsten 'Orte' des Wissens zusammen: Das Triptychon von Bild, Buch und Bühne bildet den magischen Schauplatz, an dem der umgekehrte Schöpfungsakt vollzogen wird.


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Stefan Tigges/Katharina Pewny/Evelyn Deutsch-Schreiner (Hg.): Zwischenspiele. Neue Texte, Wahrnehmungs- und Fiktionsräume in Theater, Tanz und Performance.

Bielefeld: transcript 2010. ISBN 978-3-8376-1015-4. 474 S. Preis: € 34,80.

Rezensiert von Petra Rathmanner

Das Zwischenspiel war theaterhistorisch betrachtet zunächst eine – meist heitere – Einlage, die zwischen den Akten eines Dramas gegeben wurde, um etwa einen Bühnenbildwechsel zu ermöglichen. Der einstige Pausenfüller hat sich nun von den bühnenpraktischen Zwängen emanzipiert und wird von den Autoren des Bandes Zwischenspiele als Metapher für vielfältige Erkundungen der gegenwärtigen Theaterpraxis verwendet. In sämtlichen Beiträgen ist der Begriff bewusst weit gefasst und will gar nicht erst als neues ästhetisches Paradigma verstanden werden. Sein poetisches Potenzial für eine Auseinandersetzung mit avancierten szenischen Arbeiten ist indes unbestreitbar. Damit wird auch ein programmatischer Ansatz deutlich, durch den sich der Band von herkömmlichen Tagungsbänden unterscheidet: Nicht nur Wissenschaftler, auch Theaterpraktiker kommen hier zu Wort.


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Francesco Bono: Willi Forst. Ein filmkritisches Portrait.

München: edition text + kritik 2010. ISBN 978-3-86916-054-2. 344 S. Preis: € 29,90.

Rezensiert von Elisabeth Streit

Ein eleganter Herr aus Wien

Die rechte Hand zur Regieanweisung erhoben, der Blick konzentriert nach vorne gerichtet, der Körper gespannt: der Regisseur. Vor ihm sitzend, das Angewiesene durch die Linse verfolgend: der Kameramann. Schlicht und ausdrucksstark zugleich ist das Cover von Willi Forst. Ein filmkritisches Portrait. Würde der Name der beschriebenen Person nicht in großen Lettern auf dem Einband stehen, – die Wenigsten würden die abgebildete Person vor ihnen erkennen. 31 Jahre nach dem Tod von einem der bedeutendsten Regisseure, die Österreich hervorgebracht hat, sind die Filme und die Person Willi Forst nahezu vergessen. Schon im Vorwort weist Francesco Bono darauf hin, dass es ihm auf den nächsten ca. 340 Seiten genau darum gehen wird, diesen von ihm verehrten Regisseur eben jenem Vergessen zu entreißen. "Heute gilt es, Forsts Werk erneut zu entdecken. Es gab eine Zeit, in der er zum filmischen Olymp gehörte, sein Name sich internationaler Resonanz erfreute" (S. 7).


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Thomas Heise: Spuren. Eine Archäologie der realen Existenz.

Berlin: Vorwerk 8 2010. (Texte zum Dokumentarfilm 13). 493 S. ISBN: 978-3-940384-22-5. € 24,–.

Rezensiert von Michael Paninski

"Berlin, 4. November 1989. Schnitt. Nah, außen, Tag. S/w VHS. Alexanderplatz. Vor dem Café im 'Haus des Reisens.' Ein Funktionärsmund. […] Die Kamera geht zurück, bleibt aber nah auf dem unteren Teil des Gesichts, bis es als das von Günther Schabowski erkennbar wird.

Günther Sch.: Und wer sind sie?

Michael K. off: Das ist Thomas Heise.

Autor off: Mein Name ist Thomas Heise.

Günther Sch.: Thomas filmt, deswegen kann er nicht sprechen. Er hat die Linse im Mund.

Die Kamera geht zurück bis Halbnah, dann Halbtotal. Günther Schabowski lacht.

Günther Sch.: Das ist auch eine Möglichkeit, sich gegenseitig kennenzulernen.

Die Kamera schwenkt nach links. Günther Schabowski steht verloren auf den Gehwegplatten herum. Er sieht in Richtung des Alexanderplatzes, der jedoch von Sträuchern verdeckt ist. Unverständliche Fetzen von Sätzen aus einem Lautsprecher. Unruhe. Schnitt." (S. 50f.)


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Bettina Papenburg: Das neue Fleisch. Der groteske Körper im Kino David Cronenbergs.

Bielefeld: transcript 2011. ISBN 978-3-8376-1740-5. 208 S. Preis: € 27,80.

Rezensiert von Magdalena Fürnkranz

Das Œuvre des kanadischen Regisseurs David Cronenberg ist durchaus als umfangreich zu bezeichnen. Es schafft eine in sich oszillierende Verknüpfung zwischen psychologischen Aspekten des Horrorgenres und anormalen Körperbildern. Populärkulturell bezeichnet als 'King of Venereal Horror' eröffnet Cronenberg eine neue Lesart des bereits von François Rabelais beschriebenen und von Michail Bachtin entwickelten Begriffs des 'grotesken Körpers'. Bettina Papenburg geht einen Schritt weiter und erklärt mittels des von ihr entworfenen Konzepts des 'neuen Fleisches' das Werk des Regisseurs.


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Brigitt Wagner/Waltraud Grausgruber (Hg.): Tricky Women. Animations Film Kunst von Frauen.

Marburg: Schüren 2011. ISBN 978-3-89472-723-9. 189 S. plus DVD. Preis: € 24,90.

Rezensiert von Vera Kropf

Ein Buch als Geburtstagsgeschenk: Im März 2011 feierte das Animationsfilmfestival Tricky Women zehnjähriges Bestehen. Aus Anlass dieses runden Jubiläums haben die Veranstalterinnen Birgitt Wagner und Waltraud Grausgruber nun ein Buch herausgegeben, zu dem eine illustre Reihe von Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen Texte beigetragen hat. Als weltweit nach wie vor einzige Veranstaltung ihrer Art, die alljährlich unter regem Publikumszuspruch im Wiener Topkino eine Woche lang die Animationsfilmkunst von Frauen zum Schwerpunkt macht, füllt Tricky Women seit 2001 eine Leerstelle und ist eine aus der internationalen Festivallandschaft nicht mehr wegzudenkende Institution. Wäre alleine das schon Anlass genug für eine Festschrift, verknüpft sich dieser mit dem Anliegen der Herausgeberinnen, auch auf dem Gebiet wissenschaftlicher Publikationen eine klaffende Lücke zu schließen: Zwanzig Jahre nach dem Erscheinen von Women and Animation. A Compendium von Jayne Pilling, die in der vorliegenden Neuerscheinung ebenfalls als Autorin vertreten ist, versammelt der Band vierzehn Beiträge zu Geschichte, Status quo und medientheoretischer Kontextualisierung des animierten Films aus 'Frauenfeder'.


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Kathrin Ackermann/Christopher F. Laferl (Hg.): Transpositionen des Televisiven. Fernsehen in Literatur und Film.

Bielefeld: transcript 2009. 268 S. ISBN 978-3-89942-938-1. Preis: € 27,80.

Rezensiert von Henning Wrage

Dieser Band, der Autoren aus Deutschland, Österreich und Italien versammelt, widmet sich einer klassischen intermedialen Frage mit einem innovativen Twist: der Transponierbarkeit eines Mediums in ein anderes, hier – der Übertragung und Übertragbarkeit des Fernsehens in die Literatur, den Film und ins Theater.


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Martin Andree: Medien machen Marken. Eine Medientheorie des Marketing und des Konsums.

Frankfurt/New York: Campus 2010. ISBN 978-3-593-39267-7. 251 S. Preis: € 24,90.

Rezensiert von Uwe Breitenborn

Wie funktionieren Marken? Wie gelingt es, Produkte mit einer enormen medialen Aura auf dem Markt zu etablieren, während andere, vom Gebrauchswert her gleichwertige Produkte keine Aufmerksamkeit erhalten? Martin Andree hat ein Buch vorgelegt, welches diesen Fragen aus medienwissenschaftlicher Perspektive auf den Grund gehen möchte.


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Ulrike Bergermann/Isabell Otto/Gabriele Schabacher (Hg.): Das Planetarische. Kultur – Technik – Medien im postglobalen Zeitalter.

München: Fink 2010. (Medien und kulturelle Kommunikation 23). ISBN 978-3-7705-4838-5. 295 S. Preis: € 39,90.

Rezensiert von Julia Binter

Das Planetarische: ein polyvalenter Begriff, der sowohl in der Philosophie als auch in den Cultural und Postcolonial Studies Verwendung findet, um Denkfiguren und Bilder analytisch zu fassen, in denen die 'ganze Erde' gleichsam von außen gesehen wird. Im vorliegenden Sammelband, der auf eine Konferenz des kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs Medien und kulturelle Kommunikation 2008 in Köln zurückgeht, nähert man sich diesem Begriff aus der Perspektive der transdisziplinären Medienwissenschaft, um die interdependenten Konzepte von Kultur, Medien und Technik in ihren historisch variierenden Konstellationen unter dem Primat des Globalen analysier- und vor allem auch kritisierbar zu machen.


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Robert Blanchet/Kristina Köhler/Tereza Smid/Julia Zutavern (Hg.): Serielle Formen. Von den frühen Film-Serials zu aktuellen Quality-TV- und Online-Serien.

Marburg: Schüren 2011. ISBN 978-3-89472-525-9, 448 S. Preis: € 34,–.

Rezensiert von Dominik Maeder

Sei es True Blood, Mad Men oder Breaking Bad: Der Boom aktueller US-Serien scheint ungebrochen, ebenso die Produktivität der Serienforschung. Der Dokumentationsband der Züricher Tagung "Serielle Formen" sucht die historische wie intermediale Rückvergewisserung, um sich des Phänomens in seiner medienkulturellen Vielschichtigkeit anzunehmen. Entstanden ist eine reichhaltige Morphologie des Seriellen, die ausgreifende Theoriepanoramen genauso umfasst wie detaillierte Feinanalysen. Und en passant klärt sich auch noch das Geheimnis der mysteriösen LOST-Insel.


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Joan Kristin Bleicher: Internet.

Konstanz: Verlagsgesellschaft UVK 2010. ISBN: 978-3825234256. Preis: € 9,90.

Martin Warnke: Theorien des Internet zur Einführung.

Hamburg: Junius 2011. ISBN: 978-3885066798. Preis: € 13,90.

Rezensiert von Ramón Reichert

Mit dem rasanten Aufstieg des neuen Kommunikationsmediums Internet hat sich innerhalb der Medienwissenschaften eine dynamische Bedeutungsproduktion entwickelt, welche die grundlegenden kulturellen, sozialen und politischen Veränderungen, die das Internet als Medium, Technologie und Praxis konstituiert, zu thematisieren versucht.


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Alexandra Pfeil-Schneider: Schlager im DDR-Fernsehen. Eine Analyse der non-fiktionalen Unterhaltungssendungen Schlager aus Berlin, Schlager einer kleinen Stadt und Schlager einer großen Stadt.

Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2011. (Programmgeschichte des DDR-Fernsehens 35). ISBN 978-3-86583-558-1. 182 S. Preis: € 22,–.

Rezensiert von Heiner Stahl

Schlagersendungen gehören zu einer hochgradig ambivalenten Gattung von Fernsehformaten. Sie treten in den 1960er Jahren neben die an Varieténummernprogramme angelehnten Unterhaltungshows (Breitenborn 2003), ohne diese jedoch vollständig abzulösen. Alexandra Pfeil-Schneider nimmt in ihrer als Buch im Leipziger Universitätsverlag erschienenen Magisterarbeit Schlager im DDR-Fernsehen Lesende mit auf eine Zeitreise in das aufbausozialistische Biedermeier des Bitterfelder Weges (1959/64).


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Georg Seeßlen/Markus Metz: Blödmaschinen. Die Fabrikation von Stupidität.

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2011. ISBN: 978-3-518-12609-7. 782 S. Preis: € 25,–.

Rezensiert von Herbert Schwaab

"Jeder ist in seiner Welt, doch meine ist die richtige." (Die Lassie Singers)

 

Keine Rezension dieses Bandes wird vermeiden können, auf die vielen Seiten zu verweisen, die Georg Seeßlen und Markus Metz mit ihrer Kritik an unserer Medienkultur gefüllt haben. Auf Seite 772 endet das Buch mit einer halbironischen Bemerkung, dass "schwerkritische Bücher wie dieses" in der Regel damit endeten, aufzuzeigen, wie es besser gemacht und die Verhältnisse geändert werden könnten. Aber es folgt als Nachwort zu diesem voluminösen Werk nur ein halbseitiger Abschnitt mit dem tröstenden Hinweis, dass alles, was gedacht, auch verändert werden könne.


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Angelika Bartl/Josch Hoenes/Patrica Mühr/Kea Wienand (Hg.): Sehen – Macht – Wissen. ReSaVoir. Bilder im Spannungsfeld von Kultur, Politik und Erinnerung.

Bielefeld: transcript 2011. (Studien zur visuellen Kultur 28). ISBN 978-3-8376-1467-1. 216 S. Preis: € 26,80.

Rezensiert von Petra Permesser

Was haben eine Ken-Puppe in Frauenkleidern, ein Schulfoto von Tafelklassler_innen und der Hurrikan Katrina gemeinsam? Sie alle sind nicht nur Themen, die in Sehen – Macht – Wissen behandelt werden, sondern spiegeln auch das thematische Spannungsfeld des Buches wider. Durch sie werden hegemoniale Machtstrukturen sichtbar und damit wissenschaftlich analysierbar – seien es nun transphobe, antisemitische oder rassistische Tendenzen.


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Stefan Horlacher (Hg.): "Wann ist die Frau eine Frau?" "Wann ist ein Mann ein Mann?" Konstruktionen von Geschlechtlichkeit von der Antike bis ins 21. Jahrhundert.

Würzburg: Königshausen & Neumann 2010. ISBN 978-3-8260-4416-8. 289 S. Preis: € 39,80.

Rezensiert von Sonja Lamprechter

Einen Titel, zwei Fragen, die untrennbar zusammenhängen, und viele Wege der Annäherung an Konstruktionen von Geschlechtlichkeit liefert der von Stefan Horlacher herausgegebene, zwölf Beiträge umfassende Sammelband. Darin wird vor allem die Frage aufgeworfen, ob die Infragestellung der Geschlechtergrenzen wirklich eine Erscheinung der letzten Jahrzehnte darstellt oder ob ein "kulturwissenschaftlicher-diachroner Ansatz nicht vielmehr deren Wandel- und Veränderbarkeit und somit auch die Relativität dessen aufzeigen kann, was wir Geschlecht nennen und nicht selten in einem Körper biologisch zu fundieren suchen" (S. 9). Der interdisziplinär ausgerichtete Sammelband umfasst Beiträge aus Literatur- und Kulturwissenschaft, Musikwissenschaft, Soziologie, Geschichtswissenschaft sowie Geschlechterforschung und spannt dabei den Bogen von der römischen Antike bis zur Gegenwart.


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Annelie Ramsbrock: Korrigierte Körper. Eine Geschichte künstlicher Schönheit in der Moderne.

Göttingen: Wallstein 2011. ISBN 978-3-8353-0833-6. 309 S. Preis: € 30,80.

Rezensiert von Heiner Stahl

Annelie Ramsbrocks bei Wallstein erschienene Dissertation Korrigierte Körper. Eine Geschichte künstlicher Schönheit in der Moderne zeichnet sich durch einen wirklich griffigen Titel aus. Nicht nur das, die Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Körperpolitik im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert.


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Burkhard Schnepel/Gunnar Brands/Hanne Schönig (Hg.): Orient – Orientalistik – Orientalismus. Geschichte und Aktualität einer Debatte.

Bielefeld: transcript 2011. (Postcolonial Studies 5). ISBN 978-3-8376-1293-6. 312 S. Preis: € 29,80.

Rezensiert von Caroline Herfert

Der interdisziplinäre Sammelband beleuchtet verschiedenste Aspekte der Orientalismus-Debatte und nähert sich dem Thema aus einer Vielzahl von Perspektiven, sowohl historisch als auch gegenwartsbezogen. Ausgangspunkt, Anreiz und Reibungsfläche für die konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Orient – Orientalistik – Orientalismus stellt Edward Saids 'Klassiker' Orientalism (1978) dar.


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Daniel Šuber/Hilmar Schäfer/Sophia Prinz (Hg.): Pierre Bourdieu und die Kulturwissenschaften. Zur Aktualität eines undisziplinierten Denkens.

Konstanz: UVK 2011. ISBN 978-3-86764-280-4. 364 S., Preis: € 44,–.

Rezensiert von Irene Zehenthofer

Wie schon der Titel des vorliegenden Bandes treffend indiziert, gründet sich die Aktualität und multiple Anschlussfähigkeit von Pierre Bourdieus Werk vor allem auf dessen disziplinäre Dogmen und Grenzen überschreitendes Denken. In den letzten Jahren haben im deutschsprachigen Raum die Kulturwissenschaften ein verstärktes Interesse an den weithin impulsgebenden Konzepten, Theorien und Methoden des gegenwärtig international meistzitierten Sozialwissenschaftlers entwickelt.


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