Marco de Marinis: Etienne Decroux and His Theatre Laboratory. Hg. von Frank Camilleri. [a. d. Ital. übers. von John Dean und Bianca Mastrominico. Basierend auf: "Parte prima. Etienne Decroux: il mimo corporeo come utopia teatrale", in: Mimo e teatro nel Novecento. Florenz: La Casa Usher 1993]

Holstebro/Malta/Wrocław/London/New York: Routledge/Icarus Publishing Enterprise 2015. ISBN 978-1-138-95358-1. 258 S. Preis: € 24,–.

Rezensiert von Laurette Burgholzer

Étienne Decroux und dessen beinahe ein Jahrhundert umspannendes künstlerisches Tun stehen im Zentrum der 2015 erschienenen, englischsprachigen Übersetzung von Marco de Marinis' 1993 als Monographie publizierten Forschungsarbeit zum "mime corporel". Durch diese Übersetzungsleistung wird dankbarerweise ein fundamentales Werk der italienischen Theaterwissenschaft zu einem Forschungsgegenstand aus dem frankophonen Raum einem breiteren Publikum zugänglich gemacht, jedoch stellt sich die Frage: Traduttore, traditore?


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Konstanze Heininger: "Ein Traum von großer Magie". Die Zusammenarbeit von Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt.

München: Utz 2015. ISBN 978-3-8316-4426-1. 370 S. Preis: € 49,– (broschiert), € 34,99 (Ebook).

Rezensiert von Theresa Eisele

Rückblickend klagte Max Reinhardt über seine Zeit als Schauspieler bei Otto Brahm. In dessen Aufführungen müsse man fast immer auf der Bühne essen: "meist Knödel und Kraut, was […] einem mit der Zeit auch über werden kann" (S. 58). In seiner Kritik der strikten Realitätsnachahmung auf der Theaterbühne hatte Reinhardt schon um die Jahrhundertwende einen verbündeten Dramatiker gefunden: Hugo von Hofmannsthal. Die schrittweise Abkehr beider vom naturalistischen Theater Brahms und die Erfindung einer von Traummotiven inspirierten Inszenierungspraxis beschreibt Konstanze Heininger als einen gemeinschaftlichen Prozess, der nur in enger Zusammenarbeit zwischen Reinhardt und Hofmannsthal vollzogen werden konnte. Sie hat hierfür zahlreiche zeitgenössische Stimmen, Kritiken und Schreiben collagiert, um sich der Beziehung zwischen dem Regisseur und seinem Dramatiker zu nähern; und es sind Zitate wie das einleitende, die die Lektüre der Arbeit zu einer theaterhistorischen Kulinarik werden lassen.


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Norbert Otto Eke: Das deutsche Drama im Überblick.

Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2015. ISBN: 978-3-53424-773-8. 236 S. Preis: € 19,95.

Rezensiert von Konstanze Fladischer

Die Ankündigung auf dem Buchrücken der neuesten Monographie Das deutsche Drama im Überblick von Norbert Otto Eke lässt Großes erwarten. Wie auf dem Umschlag zu lesen ist, will sich der Professor für deutsche Literatur an der Universität Paderborn in seiner Publikation dem Drama im Spannungsfeld von "Literatur und Theater, Textualität und Performativität" annehmen und folglich dessen "Gattungstheorie und Gattungspraxis" beschreiben, "ohne die Seite des Theaters aus dem Blick zu verlieren". Damit wird ein Bogen von den literaturgeschichtlichen Entwicklungen bis hin zur Umsetzung der Theatertexte auf der Bühne gespannt; ein Ansatz, der aufhorchen lässt, angesichts der Vielzahl literaturwissenschaftlicher Bücher, die sich mit der dramatischen Gattung beschäftigen.


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Denis Leifeld: Performances zur Sprache bringen. Zur Aufführungsanalyse von Performern in Theater und Kunst.

Bielefeld: transcript 2015. ISBN 978-3-8376-2805-0. 310 S. Preis: € 34,99.

Rezensiert von Magdalena Fürnkranz

Das Unbegreifbare schreiben und beschreiben. Die Sprachlosigkeit als wesentlichen Bestandteil von Performances zu versprachlichen, diesen Versuch unternimmt Denis Leifeld in seiner Dissertation, die unter dem Titel Performances zur Sprache bringen. Zur Aufführungsanalyse von Performern in Theater und Kunst erschienen ist. Leifeld bedient sich des wissenschaftlichen Zugangs der Aufführungsanalyse und versucht diese mittels praktischer Beispiele aus verschiedenen Kulturkreisen weiterzuentwickeln. Zentral ist immer das Unbegreifbare positioniert, das aus theaterwissenschaftlicher Perspektive eingehend theoretisch und methodisch erschlossen wird. Anhand zweier Performances versucht Leifeld die Erfahrungen des Unbegreifbaren im Schreiben zu vergegenwärtigen. Das Ergebnis zeigt die unsichtbaren Grenzen des praktizierenden Schreibens über Performer/innen auf, deren Überschreitung als gut gemeinter Versuch von Leifelds Studie gewertet werden kann.


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Sabine Coelsch-Foisner/Joachim Brügge (Hg.): My Fair Lady – eine transdisziplinäre Einführung.

Heidelberg: Winter 2015. ISBN: 978-3-8253-6519-6. 184 S. Preis: € 35,–.

Rezensiert von Martina Gruber

Seit seiner Entstehung sieht sich das Genre Musical mit dem Vorurteil konfrontiert, oberflächlich und lediglich auf finanziellen Erfolg ausgerichtet zu sein. Häufig mag diese Meinung wohl auch zutreffen. Doch in der rund 100-jährigen Entwicklungsgeschichte der Gattung gibt es ebenso Ausnahmeerscheinungen, deren inhaltlich-thematische Komplexität und raffinierte (Musik-)

Dramaturgie ein Gegenexempel statuieren. Eines der berühmtesten Beispiele ist My Fair Lady, dem nun ein ganzer Sammelband gewidmet wurde.


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Robert Henke: Poverty and Charity in Early Modern Theater and Performance.

Iowa City: University of Iowa Press 2015. ISBN 978-1-60938-361-9. 198 S. Preis: $ 55,– bzw. ca. € 52,–.

Rezensiert von Stefan Hulfeld

"Die grausame und heimtückische Armut hat mich zu einem Schatten werden lassen, missgestaltet und hässlicher als die Angst." Wie der Bänkelsänger Giovanni di Giorgio il Cieco haben viele Menschen unter Armut gelitten. Die Monographie von Robert Henke untersucht die Spuren des Elends und des Hungers im frühneuzeitlichen Berufstheater.


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Salvatore Vendittelli: Carmelo Bene fra teatro e spettacolo. A cura di Armando Petrini.

Torino: Accademia University Press 2015. ISBN 978-88-97523-89-5. 153 S. Preis: € 14,–.

Rezensiert von Gabriele C. Pfeiffer

Das 2015 erschienene Buch Carmelo Bene fra teatro e spettacolo (Carmelo Bene zwischen Theater und Schauspiel) reiht sich in einen Schwung von Publikationen ein, die nach dem zehnten Todestag des außergewöhnlichen italienischen Theaterkünstlers Carmelo Bene (1937–2002) – Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller, Filmemacher, Philosoph in einer Person – in großer Zahl auf den italienischen Buchmarkt kamen.


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Raphaëlle Doyon/Guy Freixe (Hg.): Les collectifs dans les arts vivants depuis 1980.

Lavérune: éditions L'Entretemps 2014. ISBN 978-2-35539-178-1. 319 S. Preis: € 16,75.

Rezensiert von Katharina Stalder

Was den sechziger und siebziger Jahren die Theatergemeinschaften, sind der heutigen darstellenden Kunst, so scheint es, die Kollektive. Wie ging die historische Entwicklung von den einen zu den anderen vor sich? Welches sind die Modelle, die zeitgenössische Kollektive inspirieren? Was unterscheidet ein Kollektiv von einer freien Gruppe? Der von Raphaëlle Doyon und Guy Freixe herausgegebene Sammelband versucht, diese Fragen zu beantworten.


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Krystyna Duniec/Joanna Klass/Joanna Krakowska (Hg.): (A)pollonia. Twenty-First-Century Polish Drama and Texts for the Stage.

London/New York/Calcutta: Seagull Books 2014. ISBN 978-0-8574-2-178-4. 589 S. DVD. Preis: $ 45,– bzw. ca. € 42,–.

Rezensiert von Sara Tiefenbacher

Jüngst ist ein wachsendes Interesse an zeitgenössischer Dramatik aus Polen zu beobachten. Davon zeugen neue Publikationen wie Loose Screws. Nine new plays from Poland (2014), … anfangen zu erzählen. Neues Polnisches Theater. Eine Auswahl (2015) oder Personen: Neue Theaterstücke aus Polen (2016) – und nicht zuletzt die Anthologie (A)pollonia. Twenty-First-Century Polish Drama and Texts for the Stage der Herausgeberinnen Krystyna Duniec, Joanna Klass und Joanna Krakowska. Diesen Übersetzungen ist es zu verdanken, dass polnische Theatertexte einem breiteren internationalen Publikum zugänglich werden.


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