Manfred Brauneck und das ITI Zentrum Deutschland (Hg.): Das Freie Theater im Europa der Gegenwart. Strukturen-Ästhetik-Kulturpolitik.

Bielefeld: transcript 2016. ISBN 978-3-8376-3242-2. 648 S. Preis: € 39,99.

Rezensiert von Esther Holland-Merten

Der Theaterwissenschaftler Manfred Brauneck erhielt 2010 den Balzan-Preis für seine umfassenden Forschungen zur Geschichte des Theaters in all seinen Ausdrucksformen. Gemäß den Statuten stiftete er die Hälfte des Preisgeldes einem Forschungsprojekt für Nachwuchswissenschaftler_innen und realisierte so zusammen mit dem ITI-Zentrum ein groß angelegtes Projekt, das sich mit der Rolle des freien Theaters im europäischen Theater der Gegenwart befasste. Das daraus entstandene Buch stellt Studien vor, die sich zum einen auf inhaltliche Schwerpunkte beziehen (Osteuropa, Migration, Postmoderne) und zum anderen theatrale Ausdrucksformen in den Blick nehmen (Tanz und Performance, Musiktheater, Kinder- und Jugendtheater).


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Milena Cairo/Moritz Hannemann/Ulrike Haß/Judith Schäfer (Hg.), unter Mitarbeit von Sarah Wessels: Episteme des Theaters. Aktuelle Kontexte von Wissenschaft, Kunst und Öffentlichkeit.

Bielefeld: transcript 2016. ISBN: 978-3-8376-3603-1. 664 S. Preis: € 39,99.

Rezensiert von Monika Meister

Die vorliegende Sammlung von Texten, die aus Vorträgen des 12. Kongresses der Gesellschaft für Theaterwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum im September 2014 hervorgegangen sind, beeindruckt zu allererst durch die enorme Vielfalt an thematischen Zugängen. Dies lässt zugleich erkennen, dass einheitliche Definitionen des Gegenstands und der Methoden nicht länger angebracht scheinen und die Verzweigungen und Ausdifferenzierungen der kulturwissenschaftlichen Forschung in der Theaterwissenschaft entsprechende Resonanz finden. Das historisch gewachsene Profil des Faches ist längst in vielfältige, auch an den Rändern der Disziplin angesiedelte Diskurse und Forschungsfelder aufgefächert. Ob dies zur Stringenz der Begriffsbestimmung und notwendigen Selbstdefinition der Theaterwissenschaft (und Film- und Medienwissenschaft) beiträgt, wird sich weisen. Jedenfalls kann der Tagungsband als Orientierungshilfe dienen, um die in mehr als siebzig ausgewählten Beiträgen zur Diskussion gestellten Fachdiskurse in den größeren Zusammenhang der einzelnen Forschungsgebiete zu stellen. Die Herausgeber_innen betonen die grundsätzliche Frage nach dem Theater, die weit über Wissensvermittlung hinausgeht und eine "Verhältnisnahme" (S. 16) intendiert. Das bedeutet, Position zu beziehen, ganz im Sinne Brechts und Benjamins die eigene Geschichtlichkeit zu reflektieren, kurz "situiertes Wissen" herzustellen und die Praxis des "forschenden Findens" (ebd.) zu forcieren.


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Claire Cochrane/Jo Robinson (Hg.): Theatre History and Historiography. Ethics, Evidence and Truth.

London: Palgrave Macmillan 2016. ISBN 978-1-137-45727-1. 220 S., Preis: £ 58,00 bzw. ca. € 69,00 [Ebook € 34,99].

Rezensiert von Theresa Eisele

Als sich 2007 eine Arbeitsgruppe zusammenfand, um über "Ethics, Evidence and Truth" in der Theatergeschichtsschreibung nachzudenken, war noch nicht abzusehen, dass sich die abschließende Publikation des Projekts knapp zehn Jahre später wie ein Kommentar auf die gegenwärtige gesellschaftspolitische Wirklichkeit lesen wird. Die Forschungsgruppe der TaPRA (The Theatre and Performance Research Association) beschloss ihr Nachdenken über die ethischen Implikationen theaterhistoriographischen Arbeitens 2016 mit dem Sammelband "Theatre History and Historiography. Ethics, Evidence and Truth" – just in dem Jahr, in dem die Redaktion des Oxford English Dictionary "post-truth" zum internationalen Wort des Jahres wählte.[1] Das Wort bezeuge, so die Jurybegründung, "that truth itself has become irrelevant"[2].


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Evelyn Deutsch-Schreiner: Theaterdramaturgien von der Aufklärung bis zur Gegenwart.

Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2016. ISBN 978-3-205-20260-8. 351 S. Preis: € 24,99.

Rezensiert von Małgorzata Leyko

Zwei wichtige Bezugspunkte im deutschen Theaterleben der 1980er und 1990er-Jahre sind für mich die Münchner Kammerspiele unter der Intendanz von Dieter Dorn und das Wiener Burgtheater in der Direktionszeit von Claus Peymann. Dem ersten verdanke ich vor allem die Erinnerung an die genialen Inszenierungen der Dramen von Shakespeare, die vom Team Dieter Dorn, Jürgen Rose und Michael Wachsman vorbereitet wurden, – dem zweiten die Entdeckung der damals noch selten auf den Bühnen der polnischen Theater gespielten Dramen von Thomas Bernhard und George Tabori. Dabei war es für mich eine interessante Neuheit, dass auf dem Besetzungszettel ein Dramaturg erschien, dessen Funktion und künstlerischer Aufgabenbereich für mich nicht ganz klar waren.


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Pamela Geldmacher: Re-Writing Avantgarde. Fortschritt, Utopie, Kollektiv und Partizipation in der Performance-Kunst.

Bielefeld: transcript 2015. ISBN 978-3-8376-3265-1. 376 S. Preis: € 39,99.

Rezensiert von Magdalena Fürnkranz

Pamela Geldmacher begibt sich in ihrem 2015 beim transcript-Verlag erschienenen Buch Re-Writing Avant-Garde. Fortschritt, Utopie, Kollektiv und Partizipation in der Performance-Kunst auf die Spuren der historischen Avantgarde und beschäftigt sich mit der Frage ihrer Relevanz für zeitgenössische Performance-Kollektive.


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Simon Shepherd: The Cambridge Introduction to Performance Theory.

Cambridge: Cambridge University Press, 2016. ISBN 978-1-107-03932-2. 243 S. Preis: € 24,79.

Rezensiert von David Krych

Kaum ein in der jüngeren Theaterwissenschaft postulierter Begriff scheint so streitbar, kontradiktorisch und ideologisch aufgeladen zu sein wie jener der Performance. Als ein vermeintlich undurchschaubares Kollektivum hinterlässt es auch bei Simon Shepherd eine besonderen Nachklang, den der Autor an einer Stelle gar mit "confused" (S. 157) beschreibt. Doch dieser definitorischen Verwirrung stellt er mit The Cambridge Introduction to Performance Theory eine fach- und theatergeschichtliche sowie theoretische Ausarbeitung des Begriffsfeldes entgegen.


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